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Nichts geht mehr: Abgeklebt ist der Zapfhahn an der einzigen Pforzheimer Erdgas-Station bei der Agip an der Karlsruher Straße.  Foto: Ketterl
Nichts geht mehr: Abgeklebt ist der Zapfhahn an der einzigen Pforzheimer Erdgas-Station bei der Agip an der Karlsruher Straße. Foto: Ketterl
29.11.2016

Das Ende der SWP-Erdgas-Tankstelle in Pforzheim

Gute Nerven brauchen hiesige Nutzer von Erdgas-Fahrzeugen schon lange. Jetzt aber macht sich neben dem Frust auch noch Resignation breit. Ein Betroffener spricht von „Tankstellen-Hopping – einer neuen Trendsportart für Masochisten“. Wer mit einem solchen Antrieb mobil bleiben will, muss dauerhaft weite Wege in Kauf nehmen. Autofahrer müssen nun alle Hoffnungen wohl endgültig begraben. Die SWP-Station bleibt ein Sanierungsfall, eine neue Lösung ist nicht in Sicht.

Immer wieder machte die Station der Stadtwerke Pforzheim (SWP) bei der Agip auf der Wilferdinger Höhe Schlagzeilen. „Engpass beim Erdgas“, titelte die PZ etwa im April des Vorjahres, „Erdgas-Tankstelle bleibt ein Problemfall“ hieß es im September 2015. Erst im September dieses Jahres meldeten die SWP, dass die einzige Erdgas-Tankstelle Pforzheims aus Sicherheitsgründen geschlossen bleibe, nachdem es in Duderstadt bei Göttingen zu einem Tankunfall gekommen war.

„Äußerst unzuverlässig“

In die Luft gehen werden nun die wenigen Erdgaskunden in der Region, wenn sie erfahren, was ein Leidensgenosse und damit nun auch die PZ schriftlich hat. Man werde besagte Tankstelle nicht wieder in Betrieb nehmen, heißt es in dem Schreiben. Die SWP bemühe sich weiter darum, eine Erdgas-Tankstelle in der Stadt zu betreiben: „Zeitlich ist dies aber nicht absehbar.“

Das Ende hat mehrere Gründe. Laut SWP ist die Station auf dem Gelände der Agip an der Karlsruher Straße seit 2004 in Betrieb und „wegen ihres alters- und verschleißbedingten Zustands sehr störanfällig“, der Betrieb daher „äußerst unzuverlässig“. Trotz teurer Reparaturen sei eine komplette Erneuerung „zwingend erforderlich“.

In dem Schreiben heißt es, dass der Vertrag mit dem aus Agip hervorgegangenen Unternehmen Eni Ende 2018 auslaufe und „trotz intensiver Bemühungen“ nicht habe verlängert werden können. Bedingung für eine große Investition sei aber eine längerfristige Betriebslaufzeit. SWP-Sprecherin Sonja Kirschner sagt dagegen auf PZ-Nachfrage, die Stadtwerke bemühten sich seit Längerem um eine Fortführung des Pachtvertrags. Man prüfe, ob ein Alternativstandort „unter Berücksichtigung aller wirtschaftlichen Rahmenbedingungen“ realisiert werden könne. „Bis zur Klärung dieser Punkte wird die Erdgas-Tankstelle am aktuellen Standort unter anderem aus Sicherheitsgründen nicht wieder für den Betrieb freigegeben.“

Besagter Pforzheimer Kunde ist enttäuscht und sauer – aus mehreren Gründen. Zum einen fühlt er sich schlecht informiert. Seiner Ansicht nach hätten die SWP das endgültige Aus per Aushang an der Station oder aber ohne Nachfrage per Post an hiesige Erdgas-Nutzer vermelden sollen; deren Adressen seien der SWP bekannt. Zum anderen ärgert den Mann, dass er „als Unterstützer der Energiewende im Regen steht“. Noch vor etwa zehn Jahren, als er sein Fahrzeug erwarb, sei der Erdgas-Antrieb von der Bundesregierung wie von den SWP gefördert worden. Inzwischen liege das Augenmerk auf anderen Energiequellen, die Erdgassäule sei lediglich „aus Imagegründen“ betrieben worden.

Ebbe in der Großstadt

Ökologisch sei solch ein Auto nun „kontraproduktiv“. Rund 20 Kilometer lege er zu Tankstellen in Mühlacker oder in kleinen Gemeinden wie Keltern-Ellmendingen und Schafhausen bei Weil der Stadt zurück. Dies stelle „für die Großstadt Pforzheim ein Armutszeugnis“ dar. Einen Weiterverkauf könne er sich „abschminken“: „Wer kauft sich ein Fahrzeug ohne Tankstelle?“ Was bleibt, ist die Flucht in Sarkasmus: „Selbstgeißelung war früher, heute fährt man ein Erdgas-Fahrzeug.“

Laut Kirschner sind in Pforzheim und im Enzkreis „deutlich weniger als 200“ erdgasbetriebene Autos zugelassen. Auch sie verweist auf „alternative“ Tankstellen in Keltern und Mühlacker.