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21.03.2010

Der offene Brief der Interessengemeinschaft Wartbergbad

Oliver Erdmann hat für die Interessengemeinschaft Wartbergbad einen Brief an den Gemeinderat verfasst. PZ-news veröffentlicht diesen Brief.

An die Mitglieder des Gemeinderats der Stadt Pforzheim

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Interessengemeinschaft Wartbergbad und mit ihr unzählige Sympathisanten sind erschüttert über die Überlegungen der Stadtverwaltung das Wartbergbad möglicherweise schließen zu wollen. In diesem Brief möchten wir an Sie als Entscheidungsträger appellieren, von einer Schließung des Wartbergbads abzusehen und bitten Sie sich mit unserer Argumentation auseinanderzusetzen.

1. Würde das Wartbergbad schließen, stünde als Alternative für die 120 000-Einwohner-Stadt Pforzheim ausschließlich das viel zu kleine Nagoldbad zur Verfügung. Dieses kann nicht einmal einen Bruchteil der Besucher aufnehmen, die üblicherweise das Wartbergbad besuchen, völlig unabhängig von den Dillweißensteiner Badegästen. Probleme gibt es nicht nur im Wasser (ein nicht für den Schwimmsport ausgerichtetes 33m-Becken mit nur zwei markierten Bahnen), sondern auch auf den begrenzten Liegeflächen. Zudem stellt sich die Frage, wo die Menschenmassen parken sollen. Im Übrigen gibt es keine adäquaten Spielmöglichkeiten für Kinder.

2. Oberbürgermeister Hager hat verkündet, das Stadttheater werde als 3-Sparten-Theater erhalten bleiben. Grundsätzlich freuen wir uns über diese Entscheidung und die damit verbundene uneingeschränkte Bereicherung des kulturellen Lebens in Pforzheim. Wenig nachvollziehbar ist aber, dass das wesentlich weniger kostenintensive Wartbergbad, dessen Eintritt mit einem Zwanzigstel dessen subventioniert wird, was die öffentliche Hand für eine Theaterkarte beisteuert, geschlossen werden soll. Hier liegt der Verdacht nahe, dass mit zweierlei Maß gemessen wird. Das Theater ist wichtig, aber es ist nicht wichtiger als das Wartbergbad und wenn das eine erhalten werden soll, so kann man das andere nicht schließen. Die uneingeschränkt wichtige und durch nichts zu ersetzende soziale Funktion, die das Wartbergbad gerade für Kinder und Jugendliche im Sommer und vor allem in den Ferien hat, wird niemand bestreiten wollen. Es ist für uns alle unvorstellbar, dass gerade während der Ferienzeit (und das ist mehr als die Hälfte der gesamten Freibadöffnungszeit im Sommer) für unsere Kinder und Jugendlichen kein adäquates Freibad erreichbar ist. Was sollen diese Kinder denn die ganzen Ferien über machen, wenn sie mit den Eltern nicht verreisen können ? Wo sollen sie sich aufhalten ? Was sind die Konsequenzen für die Stadt ?

Das Wartbergbad ist während der Ferien der soziale Mittelpunkt der Stadt, wenn das Bad schließen würde, gäbe es keine Alternativen. Das kann niemand wollen.

3. Etwas merkwürdig muten Äußerungen an, das Bad würde für den Sport eigentlich gar nicht gebraucht. Hier stellt sich die Frage, welche Funktion das Bad denn eigentlich hat ? Wir meinen, dass jeder Badegast – und wenn er nur eine einzige Bahn schwimmt – Sport treibt, der Gesellschaft hilft Gesundheitskosten zu reduzieren, Freude an der Bewegung und der eigenen Fitness hat. Im Übrigen ist z.B. sonntags morgens zur besten Badezeit stets das Sportbecken vom Wasserball-Verein belegt, die Feuerwehr hält dort Fitnessübungen ab, ganze Jugendgruppen messen ihre Fähigkeiten beim Turmspringen - übrigens in sehr geordnetem Ablauf und mit vorbildlicher Disziplin. Aber vielleicht ist die Wahrnehmung gerade dann etwas beeinträchtigt, wenn man selbst nicht oder nicht mehr unmittelbar davon betroffen ist. Sport im Freibad ist eben nicht nur Wasserball !

4. Wenn man im Wartbergbad Personalkosten einsparen möchte, sollte an flexiblere Öffnungszeiten gedacht werden. Dies können bei gutem Wetter sowohl längere als grundsätzlich auch reduzierte Kerneintrittszeiten bedeuten. In diesem Zusammenhang kann man sich mit anderen Städten, die eine ähnliche Bäderstruktur haben, austauschen. Im Übrigen ist Pforzheim wohl die einzige Großstadt in Baden-Württemberg, die ihren Bürgerinnen und Bürgern einen derartigen Eingriff zumutet. Städte wie Freiburg, Heilbronn oder Baden-Baden, um nicht die größten zu nennen, haben ebenso große finanzielle Probleme. Warum schafft man es dort, die Freibäder zu erhalten, bei uns aber nicht ?

6. Vielleicht hilft aber auch ein verstärktes ehrenamtliches Engagement. Die Interessengemeinschaft hat in letzter Zeit viele Leute darauf angesprochen. Wir sind überzeugt davon, dass es gelingt, einige Personen aus diesem Kreis dazu zu bewegen, ihren Wünschen und Fähigkeiten entsprechend mit einem bestimmten Zeitquantum im Bad auszuhelfen, sodass Saisonkräfte eingespart werden könnten. Die immer wieder ins Feld geführten hohen Personalkosten wären spürbar reduziert.

7. Im Falle der Schließung sollten die Kosten aus möglichen Schadensersatzforderungen des Kantinenpächters im Wartbergbad gegengerechnet werden.

8. Zudem stellt sich die Frage, welche Kosten das Abtragen des kontaminierten Bauschutts und der Luftschutzbunker unter dem Bad verursacht. Auch dieser Betrag ist nicht zu vernachlässigen.

9. Zur Attraktivität des Standorts Pforzheim für qualifizierte Berufe lässt sich schon heute sagen, dass es beispielsweise bei Ausschreibungen von freien Lehrerstellen schwierig ist diese zu besetzen, da Städten in der Rheinebene der Vorzug gegeben wird. Ähnlich wird sich der anstehende Mangel im ambulanten medizinischen Bereich in den nächsten 5-10 Jahren auswirken, wenn die Stadt immer unattraktiver wird.

10. 71500 Besuche hat das Wartbergbad im Jahr 2009 verzeichnet. 44% mehr als im Jahr davor. Diese Aufwärtsentwicklung kann man doch nicht einfach übergehen und öffentlich verkünden, die Zahlen seien seit Jahren rückläufig. Das stimmt doch nicht. Wir sind im Gegenteil davon überzeugt, dass man mit den richtigen Investitionen zur richtigen Zeit zusätzlich viele abgewanderte Wartbergbesucher wieder zurückgewinnen kann.

Im Moment geht es aber ausschließlich darum eine Übergangszeit der wirtschaftlichen Bedingtheit zu überstehen und dazu genügen die nötigsten Investitionen im Bereich der Technik. Hochfliegende Wunschvorstellungen dürfen die gesamte Einrichtung nicht gefährden. Die meisten der Besucher sind mit dem momentanen Zustand durchaus zufrieden. Die Toiletten- und Duschanlagen sind in einwandfreiem Zustand und die Umlegung des Eingangsbereiches, um mehr Parkplätze für die heißesten Tage mit hohen Besucherfrequenzen zu schaffen, ist nicht zwingend notwendig.

11. Das Defizit des Bades ist verhältnismäßig gering. Warum will man wegen eines in Relation zu den Gesamtausgaben zu vernachlässigendem Betrag soviel soziales Porzellan zerschlagen ? Lassen Sie uns und viele Tausende Freibadgäste bitte nicht dafür büßen, dass man von Seiten der Verwaltung das Bad jahre- bzw. jahrzehntelang kaputt gespart hat. Das wäre einfach nicht fair und vor allem nicht denjenigen gegenüber, die es am stärksten betrifft und die sich am wenigsten dagegen wehren können: unsere Kinder und Jugendlichen.

12. Vielleicht können die beigeschlossenen Bilder Sie darin bestärken, unser Anliegen zu unterstützen. Sie vermitteln Ihnen Eindrücke vom richtigen und wahren Wartbergfreibad und nicht von einer winterlichen angeblichen Bauruine.

Abschließend möchten wir den Kommentator der PZ vom 02.02.2010 zitieren:

„…ein Schwimmbad ist schnell geschlossen, schnell kaputt gemacht.“

Wie wahr!

Mit freundlichem Gruß

für die Interessengemeinschaft Wartbergbad

Oliver Erdmann

Beate Zinke

Dieter und Erika Uber