

Zusammen spielen, zusammen lernen und zusammen arbeiten, jeder nach seinen Fähigkeiten: Das gleichberechtigte Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten im Kindergarten, in der Schule und im Beruf (Inklusion) ist zwar inzwischen in einer UN-Konvention von 2009 als gesetzliche Verpflichtung formuliert – in der Realität aber fehlt es bei der so genannten Inklusion an der Umsetzung. Darauf weißt die Lebenshilfe Pforzheim Enzkreis hin.
„Wir würden gerne mit unserem integrativen Kindergarten an einer Schule in der Stadt andocken, die Inklusion ermöglicht“, sagt Vorsitzender Heinz-Jürgen Klutz. Da bestehe ein Defizit, das sich über die gemeinsame Schulzeit hinaus auch in der Arbeitswelt widerfinde. Klutz und seine beiden Geschäftsführer Oliver Keppler und Dirk Zeuchner wollen deshalb verstärkt Unternehmen ansprechen, Behinderte einzustellen. Dafür wollen sie die Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer gewinnen. In fünf beschützenden Werkstätten der Lebenshilfe stünden im Moment 500 Arbeitsplätze zur Verfügung.
Im besten Falle könnte die Einrichtung irgendwann mal einen Teil davon schließen, weil ihre Schützlinge dann regulär in Firmen versorgt wären, erklärt Klutz. Doch bis das Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten ermöglicht ist, sei noch ein langer Weg. „Die Schulen werden mit der Inklusion alleingelassen“, erklärt Keppler. Fragen der Ausstattung und der Betreuung seien noch ungeklärt. Die Stadt brauche dringend einen Arbeitskreis, der sich um das Thema kümmere.
Schulische Ansätze gibt es bereits. Laut Ralf Straub, Schulamtsdirektor im Staatlichen Schulamt Pforzheim, mache sich jetzt eine Modellklasse zum neuen Schuljahr auf den Weg, gespeist aus sechs Förderschülern der Bohrain- und 13 Schülern der Buckenberg-schule. Neben der Kooperation von Gustav-Heinmann-Schule und Schanzschule in Form einer Grundschulklasse sei dies „im Förderschulbereich in der Stadt ein absolutes Novum“. In Form eines verbindlichen Schulgesetzes werde die Inklusion erst 2013/2014 rechtlich verbindlich.
Anfänglich hätten Eltern ängstlich reagiert, erklärt Nadine Castellano, Leiterin der Bohrainschule. Doch die Aussicht auf zwei Lehrer für die Klasse und den Förderplan für jedes der Kinder habe sie vom Konzept überzeugt. Straub kennt solche Befürchtungen: Der Druck auf die Eltern gesunder Kinder sei sehr groß, das Bestmögliche für ihre Zöglinge zu entscheiden. Da bedürfe es Überzeugungsarbeit.
Es werde aber immer auch Eltern geben, die ihre Kinder auf Sonderschule gut aufgehoben sehen, erklärt Geschäftsführer Zeuchner. Trotzdem hält er es für sehr wichtig, die Inklusion an Schulen umzusetzen. „Wir bräuchten drei oder vier solche Schulen und die gleiche Anzahl nochmal im Enzkreis.“
Im Bereich Wohnen will die Lebenshilfe jetzt neben den existierenden Paar- und Singlewohnungen im Stadtgebiet einen Schritt weitergehen. „Behinderte und Nichtbehinderte sollen in ein Haus einziehen. Dann müssen wir sehen, wie eine Hausgemeinschaft funktionieren kann.“
Autor: Martina Schaefer






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Leserkommentare (7)
Mehr KommentareGuter Ansatz, der hoffentlich bald umgesetzt wird... mehr...
Wer keinen Platz und kein Herz für Zuwanderer hat, hat auch keins für Behinderte. Die Biodeutschen (Dieser Ausdruck ist tatsächlich mal verwendet worden) sind makellos, nicht nur makellos deutsch. Vielleicht überlegen sich manche Eiferer mal, welches Klima sie mit ihren Äußerungen befeuern. mehr...
[QUOTE=Schreiberling;132205]Wer keinen Platz und kein Herz für Zuwanderer hat, hat auch keins für Behinderte. ....[/QUOTE] Diesen Vergleich halte ich aber für sehr gewagt. mehr...