PFORZHEIM/KARLSRUHE. Der Bundesgerichtshof (BGH) hat angedeutet, dass die Deutsche Bank bei Derivate-Geschäften ihre Beratungspflichten verletzt haben könnte. Das hört man in Pforzheim, wo man viel Geld verlor, gerne.
Bei der Deutschen
Bank geht die Angst um. Man befürchtet eine zweite Finanzkrise, wenn
der Bundesgerichtshof in seinem Urteil am 22. März wahr macht, was
er am Dienstag in mündlicher Verhandlung andeutete: dass die Bank
bei enorm komplexen und für die Kunden kaum zu durchschauenden,
hochriskanten Zinswetten (Swaps) ihren Beratungspflichten nicht
nachgekommen sei. Es ist das erste Mal, dass sich der BGH mit einer
Klage befasste. Mit Spannung blicken auch Bürgermeister,
Rechtsamtsleiter und Kämmerer nach Karlsruhe. Am Dienstag drehte es
sich zwar um einen Mittelständler, der durch Derivate-Geschäfte mit
der Deutschen Bank „nur“ 500 000 Euro verlor und klagte. Doch im
Prinzip geht es ihm wie 500 anderen Firmen und rund 200 Kommunen in
Deutschland. Sie fühlen sich von den Banken, in erster Linie der
Deutschen Bank, über den Tisch gezogen. Auch Pforzheim – unter
Ex-OB Christel Augenstein und der ehemaligen Kämmerin Susanne
Weishaar – schlossen zum Zweck der Zinsoptimierung Swaps mit der
Deutschen Bank ab. Bei 20 Millionen Euro Verlust zogen sie die
Reißleine, wechselten die Bank und „spiegelten“ bei J.P. Morgan
die Geschäfte. Doch es kam nur noch schlimmer. Am Ende beschloss
Pforzheim, sich herauszukaufen – mit rund 57 Millionen Euro
Verlust. Eine Klage gegen J.P. Morgan ist anhängig. Als Verursacher
der Misere gilt für die Verwaltung aber die Deutsche Bank. Man
behält sich eine Klage vor und verhandelt noch. Die Basis hierfür
scheint seit gestern besser zu werden. Der BGH wird sich auch mit
Derivate-Geschäften befassen müssen, die die Stadtwerke Pforzheim
(SWP) mit der Deutschen Bank abgeschlossen haben. Sie verloren vier
Millionen Euro und legten gegen ein Urteil des OLG Frankfurt, das der
Bank Recht gab, Revision ein. ol
[Dossier] Das Pforzheimer Derivate-Debakel - Artikel und Videos

