

Die Hell’s Angels sind da, Ex-Box-Champion René Weller, allerlei Halbseidenes, aber auch Menschen, die mit dem Milieu, in dem Michael B., 58, lebte und starb, nicht das Geringste zu tun hatten. Sie haben Kränze richten lassen, die in der Aussegnungshalle des Hauptfriedhofs den Sarg des Verstorbenen flankieren. Draußen fällt unaufhörlich Schnee, drinnen liegt „Indio“ in seinem Sarg.
Am ersten Weihnachtsfeiertag fand eine Nachbarin ihn tot auf. „Indio“, Findelkind aus Rüdesheim, die letzten zwölf Jahre treuer Butler des Bordell-Königs Marcus Eberhardt, adoptierter Prinz von Anhalt, hatte mutmaßlich seinem Leben selbst ein Ende gesetzt. Die Staatsanwaltschaft hatte vorsichtshalber eine Untersuchung des Leichnams veranlasst.
Rüdiger Schaper ist da. Eingeflogen aus Thailand, seiner zweiten Heimat, seit er nach einem viertel Jahrhundert das Bordell „Crazy Sexy“ an Marcus Eberhardt verkaufte – und dieser „Indio“ übernahm, den Schaper in Koblenz aufgenommen und über Frankfurt nach Pforzheim mitgenommen hatte.
Natürlich ist auch der Prinz da, Wollmütze, schwarze Sonnenbrille, muskelbepackte Begleiter. Gegenüber „Bild“ hatte er sich am Jahresende geschockt gezeigt: „Ich bin bestürzt. Mein armer ,Indio’ hatte keine Familie, seine Arbeit war sein Leben. Er war sehr aufrichtig, und wir werden ihn sehr vermissen.“ In der Halle spielt der Organist „My Way“, das einst Frank Sinatra zum Welthit machte.





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