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Heiß begehrt: Immer mehr Städte ächzen unter den Müllbergen, die die Angewohnheit mit sich bringt, den Kaffee mal eben unterwegs zu schlürfen. So stapeln sich Einwegbecher vielerorts auf den Mülleimern.  dpa-Archiv
Heiß begehrt: Immer mehr Städte ächzen unter den Müllbergen, die die Angewohnheit mit sich bringt, den Kaffee mal eben unterwegs zu schlürfen. So stapeln sich Einwegbecher vielerorts auf den Mülleimern. dpa-Archiv
Der Umwelt zuliebe: Gegen eine Pfandgebühr sind inzwischen vielerorts Mehrwegbecher erhältlich. Auch die Pforzheimer Bäckerei Toifl startet den Versuch, Sabine Toifl (rechts) gab PZ-Redakteurin Anke Baumgärtel gleich einen mit.
Der Umwelt zuliebe: Gegen eine Pfandgebühr sind inzwischen vielerorts Mehrwegbecher erhältlich. Auch die Pforzheimer Bäckerei Toifl startet den Versuch, Sabine Toifl (rechts) gab PZ-Redakteurin Anke Baumgärtel gleich einen mit.
19.03.2017

Einheitlicher Mehrwegkaffeebecher bleibt Zukunftsmusik für Pforzheim

Die Deutschen lieben ihren Kaffee. Doch wie sieht es mit der Umwelt aus? Mehr als siebenmal reichte der Stapel um die Erde, würde man alle Einwegbecher aufeinanderstellen, die jährlich in Deutschland verbraucht werden. Diesen Müllbergen will man vielerorts nun entgegenwirken. Universitätsstädte wie Freiburg und Tübingen machen es vor. Auch in Pforzheim haben die ersten Bäckereien Mehrwegbecher eingeführt. Zum Mitnehmen – und zwar wieder und wieder.

Wie viel Müll verursacht der Kaffee zum Mitnehmen denn?

320 000 Einweg-Kaffeebecher landen in Deutschland im Schnitt nach kurzem Gebrauch im Müll – innerhalb einer Stunde. Besonders fatal: Der Großteil wird achtlos in den Abfalleimer am Straßenrand statt in den gelben Sack geworfen. 40 000 Tonnen Müll macht das in der Summe jährlich. Die Einwegbecher sind zum Symbol der Wegwerfgesellschaft geworden. Anders als in New York, ist ein Verbot laut Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), aus EU-rechtlichen Gründen nicht möglich.

Welche Alternativen zum Einwegbecher gibt es denn?

Die beste Variante ist es natürlich, die Tasse Kaffee am Frühstückstisch oder in der Bäckerei zu genießen. Eine Abgabe für Einwegbecher beim Bäcker oder an der Tankstelle würde laut DUH wohl nicht allzu viel bringen. Geeigneter ist der Mehrwegbecher. Den haben jetzt auch die ersten Pforzheimer Betriebe eingeführt. Vorgemacht haben es Uni-Städte wie Freiburg. Dort starteten Verwaltung und Stadtreinigung im November ein Pilotprojekt. Seitdem gibt es in 16 Läden den „Freiburg-Cup“. Ähnliche Aktionen gibt es in Tübingen mit „tü go – besser Bechern“ oder der Initiative „Coffee to go again“ in München.

Und wie sieht es mit Mehrwegbechern in Pforzheim aus?

Mit positivem Beispiel voran geht die Bäckerei Toifl mit Filialen in der Nordstadt sowie in der Brötzinger Fußgängerzone. „Wir wollen diesem ganzen Wahnsinn entgegenwirken“, begründet Sabine Toifl die Entscheidung. Der Kunde bezahlt ein Pfand von fünf Euro und erhält dafür einen 0,3-Liter-Becher aus Bambus. 80 Stück hat die Bäckerei für den Anfang beim Fachgroßhandel bestellt. Das flexible Mundstück bleibt beim Besitzer, den leeren Becher bringt er beim nächsten Mal zur professionellen Reinigung mit und erhält im Gegenzug einen frischen.

Können Kunden auch den eigenen Becher befüllen lassen?

Immer mehr Designer entwickeln To-go-Becher aus umweltverträglichen Materialien. Diese befüllen zu lassen, würde allerdings gegen die Hygienevorschriften verstoßen. Möglich wäre es, den Kaffee aus einem separaten Gefäß umzufüllen.

Nehmen Kunden das Angebot auch an?

„Unsere Kunden sind offen für so etwas“, glaubt Toifl, die neben Demeter auch vegane Produkte anbietet. „Das ist eine richtig gute Idee“, findet Bernd Eppinger, der den ersten Becher testet. Für gewöhnlich trinkt er den Kaffee aber vor Ort. „Wenn viele Bäckereien mitmachen, wäre das gut“, sagt die Bäckermeisterin. Dann könnte man den Becher bei allen beteiligten Betrieben abgeben. Ein solches Pfand-System hatten die Stadträte von Bündnis 90/Die Grünen unlängst gefordert. Doch dieses Angebot scheint noch in weiter Ferne: „Unsere Kunden wollen keinen Becher mitführen, geschweige denn daran denken, ihn das nächste Mal wieder mitzunehmen“, bedauert Martin Reinhardt, Obermeister der Bäckerinnung Region Nordschwarzwald. Verschiedene Bäckereien und Cafés hätten versucht, Mehrwegbecher einzuführen – bisher mit mäßigem Erfolg. „Letztendlich entscheidet der Kunde.“ Man wolle nun zunächst den Testlauf in Freiburg beobachten. Laut Michael Strohmayer, Leiter der städtischen Pressestelle, steht nach dem Einholen erster Informationen fest, „dass angesichts von Personal- und Kostenfragen ein Aufwand bei den Städten entsteht.“ Ein Schreiben solle den Stadträten in den kommenden Tagen zugehen.

Umfrage

Brauch Pforzheim ein Mehrwegsystem für Kaffeebecher?

Ja, der Umwelt zur Liebe sollte daran gearbeitet werden. 77%
Nein, das würde der Kunde nicht annehmen 23%
Stimmen gesamt 638

Peggy
20.03.2017
Einheitlicher Mehrwegkaffeebecher bleibt Zukunftsmusik für Pforzheim

Es sind doch nicht die Becker auch die allgemeinen Verpackungen sind doch so unnötig wie ein Kropf.Man könnte gar nicht aufhören mit aufzählen. mehr...

Rüpel
21.03.2017
Einheitlicher Mehrwegkaffeebecher bleibt Zukunftsmusik für Pforzheim

[QUOTE=Peggy;270759]Es sind doch nicht die Becker auch die allgemeinen Verpackungen sind doch so unnötig wie ein Kropf.Man könnte gar nicht aufhören mit aufzählen.[/QUOTE] ich kaufe ein "H" mehr...

helmut
21.03.2017
Einheitlicher Mehrwegkaffeebecher bleibt Zukunftsmusik für Pforzheim

Alles ein Problem der Kalkulation, mit Gewinnmaximierung und Kaufverhalten. Das Reinigen kostet mehr als der Becher. Kaffee in Bechern wird überwiegend von Laufkundschaft getrunken. Die kaufen keine Becher und bringen keinen mit. Die Hauptprobleme sind nicht Rohstoffverschwendung sondern die Entsorgung. Der Rohstoff kostet nichts und sind Abfallprodukte z.B. bei der Benzinherstellung. Die Fa. Ford hatte eine Zeitlang in der Kantine nur Einweggeschirr und Besteck. Das entsorgten sie in ihrem ...... mehr...

powertrommeln rudi
21.03.2017
Einheitlicher Mehrwegkaffeebecher bleibt Zukunftsmusik für Pforzheim

Man könnte meinen , Sie hätten Ihren Taschenrechner und Ihre Festplatte entsorgt.;) PS.: Ich hab noch einen Rechenschieber.:p mehr...