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12.11.2010

Es war einmal...

Man will die Ortschronik von Günter Heinz eigentlich gar nicht aus der Hand legen. Wer heute die ärztliche Rundumversorgung im Stadtteil betrachtet, mag sich über das Kapitel nur amüsieren, in dem es um „Quacksalberei“ geht, und man begreift langsam, dass der Gang zum Zahnarzt oder Allgemeinmediziner, Internisten oder Homöopathen keinesfalls selbstverständlich war, nachzulesen in den Annalen. Wir bedienen uns zunächst der Aufzeichnungen aus dem 19. Jahrhundert:

„Das sicherste Mittel, der Quacksalberei zu begegnen, welche in dortiger Gemeinde angetroffen wird“, heißt es 1856 nach der so genannten Ortsbesichtigung, „besteht darin, den Einwohnern Gelegenheit zu geben, sich ohne große Kosten eines tüchtigen Arztes bedienen zu können. Nach den mit dem Gemeinderat gepflogenen Verhandlungen werden wir mit Assistenzarzt Dr. Fischer daher verhandeln, ob er gegen eine kleine Entschädigung sich zum Besuch der Gemeinde an bestimmten Tagen bereit findet.“

Der Bürgermeister sei außerdem gehalten, „alle Personen, die sich dieser Kurpfuscherei verdächtig machen, nach Pforzheim zu melden und vor allem den Quacksalbern Holzäpfel und Christ, die aus dem Württembergischen kommen, den Aufenthalt in der Gemeinde nicht zu gestatten“. Jahre gehen ins Land – aber kein Arzt kommt vorbei oder lässt sich gar nieder. Man überlässt das Feld obskuren Gestalten. 1858 vermeldet der Vorkommnisbericht, noch immer werde die Quacksalberei „aus dem benachbarten Württemberg herüber getrieben, und wenn sich auch die bisherigen Wunder-Doctores nicht mehr sehen ließen, so liege dagegen der Verdacht vor, dass ein gewisser Pfrommer aus Engelsbrand an ihre Stelle getreten sei. Dem Bürgermeister wird aufgetragen, das Treiben des verdächtigen Pfrommer zu überwachen und ihn bei begründetem Verdacht zu verhaften und in Pforzheim abzuliefern!“

Und wieder passiert nichts, obwohl diverse Epidemien die Bevölkerung heimsuchen. Springen wir ins Jahr 1936. Zwei auswärtige Ärzte betreuen die Büchenbronner, allerdings keineswegs zur Zufriedenheit der Menschen. Es gibt schriftliche Beschwerden gegenüber dem ärztlichen Bezirksverein. Einer der beiden Ärzte habe zu einer 32-jährigen Frau gesagt, sie solle aufstehen, denn sie liege wegen Faulheit im Bett. Als der Ehemann erwiderte, sie sei gelähmt, entgegnete der Arzt, das komme vom Bett liegen. Ein paar Tage später war die Frau tot . . .. Beide Ärzte fallen endgültig in Ungnade. Dr. Eisenmenger aus Brötzingen wird mit dem ärztlichen Wochendienst beauftragt – aber 1942 zum Kriegsdienst einberufen. Wieder ist Büchenbronn unversorgt. Im Oktober 1945 erhält Büchenbronn einen ständigen Arzt – hier setzt Chronist Heinz ein Ausrufezeichen. Es ist Paulus Weigel, gebürtiger Pforzheim, „der im Kreis der Methodisten aktiv tätig ist und seine ärztliche Tätigkeit vom Christentum her verstanden wissen will“. 1969 schließlich wird ein zweiter Arzt gewonnen: Dieter Maisch. Auch er sieht seinen Beruf aus christlichem Verständnis und ist Mitglied im Kirchengemeinderat. Als er seine Praxis eröffnet, zählt das Bergdorf rund 4400 Einwohner – fast doppelt so viele wie nach Kriegsende. ol