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Die Finanzexpertin Helma Sick bei ihrem Vortrag „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ im Rahmen der Frauenwirtschaftstage im VolksbankHaus Pforzheim. Tilo Keller
Die Finanzexpertin Helma Sick bei ihrem Vortrag „Ein Mann ist keine Altersvorsorge“ im Rahmen der Frauenwirtschaftstage im VolksbankHaus Pforzheim. Tilo Keller
17.10.2016

Finanzexpertin plädiert im VolksbankHaus für Berufstätigkeit

Die Finanzexpertin Helma Sick hat Frauen dazu aufgefordert, die Notwendigkeit finanzieller Unabhängigkeit zu erkennen. Im Rahmen der Frauenwirtschaftstage haben am Freitagabend knapp 80 Zuhörerinnen und auch einzelne männlichen Zuhörer den Vortrag der Betriebswirtschaftlerin im VolksbandHaus aufmerksam verfolgt.

Zur Veranstaltung eingeladen hat der Arbeitskreis Frau und Beruf Pforzheim-Enzkreis. Durch den Abend führte Liane Papaioannou von der IG Metall.

Warnung vor Altersarmut

„Junge Frauen wissen nicht, was auf sie zukommt, wenn sie aufhören zu arbeiten oder in Teilzeit gehen“, stellte Pforzheims Sozialbürgermeisterin Monika Müller fest. Sie machte auch darauf aufmerksam, dass mit den Frauen, die aus dem Ausland zu uns kommen und darauf vertrauen, dass ihre Familien sie versorgen, noch eine große Aufgabe zu lösen sei.

Susanne Brückner, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Pforzheim, führte weiter in das Thema ein. „Es müssen auch Lösungen in Politik und Gesellschaft gefunden werden“, sagte sie und erklärte, dass die Frauenerwerbstätigkeit zwar steigt, aber die Hälfte der Frauen weniger als 32 Stunden pro Woche arbeitet. Nur ein Zehntel der Männer arbeite weniger als 32 Wochenstunden. „Wir können uns nicht auf den Märchenprinzen verlassen, Frauen müssen auf ihren eigenen Beinen stehen“, plädierte Brückner.

Helma Sick führte dies mit so manchem Fallbeispiel vor Augen, wo Scheidung oder die Krankheit des Ehemannes die Frauen in finanzielle Nöte gebracht haben. Die Autorin mehrerer Finanzratgeber ist auch durch Finanzkolumnen in Zeitschriften bekannt. „Eine Studie besagt, fast 90 Prozent der jungen Frauen wollen unabhängig sein. Zwischen Anspruch und Realität klafft aber eine Lücke“, stellte sie fest. Die Ehe bezeichnete Sick als abhängigkeitsfördernd. Sie rechnete vor, dass der Gesellschaft hohe Kosten durch die „Hausfrauenehe“ entstehen und sprach sich auch gegen das Ehegattensplitting aus. „Deutschland ist das einzige OECD-Land, das Alleinverdienerhaushalte derart fördert“, sagte sie. Diese staatlichen Wohltaten seien kontraproduktiv, weil sie Frauen davon abhielten, berufstätig zu bleiben. Weitere Ursachen für die Altersarmut von Frauen sah sie unter anderem in traditionell schlechter bezahlten Frauenberufen. Durch das geringere Einkommen falle es den Frauen meist auch zu, nach der Kinderzeit eher auf ihre Berufstätigkeit zu verzichten, wenn dann die der Pflege der Eltern anstehe. Doch dies führe die Frauen nur weiter in die Altersarmut.

Sick machte auch auf die Situation unverheirateter Paare aufmerksam. „Frauen stehen auf dünnem Eis, wenn sie ihren Beruf langfristig aufgeben“, betonte sie und riet dazu, grundsätzlich zu heiraten, wenn Kinder da sind oder wenigstens einen Partnerschaftsvertrag abzuschließen. Man sollte lieber jetzt unromantisch sein als später arm, so ihre Empfehlung.

Es gab Gelegenheit. die Ausstellung „Wie will ich leben, wenn ich alt bin – Perspektiven auf eine weibliche Zukunft“ zu betrachten (bis zum 27. Oktober im VolksbankHaus).