

Die Beine sind irgendwie zu lang. So scheint es. Elegant sieht es wahrlich noch nicht aus, wenn das kleine Wisent im Laub herumstakst. Außer wenn das Kälbchen aus purer Lebensfreude einen Luftsprung macht. Seit fünf Wochen können die Besucher das Kälbchen im Wildpark bewundern. Wisent „Pfännle“ ist derzeit dessen jüngster Bewohner.
Die Wildrind-Dame „Bälla Donna“, deren Name sich nach Angaben von Tierpflegerin Monika Kull nicht italienisch, sondern mit „ä“ schreibt, ist bereits zum dritten Mal Mutter geworden. Den Namen hat die Wisent-Dame an ihrem Geburtsort, dem Tierpark „Bernburg“ in Sachsen-Anhalt, erhalten. Der Name wird in das sogenannte Zuchtbuch des Tieres eingetragen und beginnt nach Angaben von Tierpfleger Andreas Hermann immer mit den Anfangsbuchstaben des Geburtsortes, erklärt Hermann. Doch da der Bernburger Tierpark später als der Berliner eingerichtet worden war, sei das „Be“ bereits für Berlin vergeben gewesen. So mussten sich die Bernburger mit dem „Bä“ für den Namensbeginn zufriedengeben, berichtet Hermann.
Elf Monate lang haben die Tierpfleger gemeinsam mit „Bälla Donna“ auf den Nachwuchs gewartet. Auf „Pfännle“ passen noch die vierjährige Tante „Falbe“ , der Bruder „Pfanny“, der im vergangenen Jahr geboren wurde, sowie Schwester „Pfiffy“ auf. Die ersten Jahre wird „Pfännle“ wie sein Bruder im Wildpark verbringen dürfen. Dann allerdings befürchtet Monika Kull, dass es zu Reibereien mit Papa „Pfeiler“ kommen könnte, der – wie am Namen ablesbar ist – ebenfalls im Pforzheimer Wildpark geboren wurde. Deshalb wird „Pfännle“ wohl irgendwann in einem anderen Wildpark eine neue Heimat finden.
Das gleiche Schicksal wird vermutlich auch einen Großteil des Ziegen-Nachwuchs ereilen. Von 18 weiblichen Tieren, die derzeit im Wildpark leben, sind zehn trächtig. „Rund um Weihnachten“ erwartet das engagierte Wildpark-Team die Zicklein.
Neben der Freude über den Nachwuchs herrscht im Wildpark auch Trauer: Am Dienstag ist das elf Jahre alte Luchs-Männchen gestorben. Bereits am Sonntag hatten die Wildpark-Mitarbeiter den Eindruck, dass es krank sei, berichtet Tierpflegerin Kull. Die herbeigerufene Tierärztin untersuchte die Großkatze am Montag, konnte aber nichts feststellen. Sie behandelte das Tier mit Antibiotika, Vitaminen und Traubenzucker. Leider umsonst. Der Luchs lag am Dienstagmorgen tot in seinem Gehege. Jetzt wird der Kadaver im Staatlichen Untersuchungsamt in Fellbach untersucht. Schließlich könnte auch eine ansteckende Krankheit oder eine Vergiftung hinter dem plötzlichen Tod des Luchs-Männchen stecken. Zumal Anfang des Monats bereits ein Luchs-Weibchen gestorben war. Da die Katzen-Dame bereits 14 Jahre alt war, gingen die Tierpfleger damals von Altersschwäche aus.
Für die einsame Luchskatze, die bislang zwei Spielgefährten hatte, hat Wildpark-Chef Carsten Schwarz schon wieder Gesellschaft organisiert: Aus dem Wildpark Warstein werden vermutlich ein zehn Jahre altes Kuder, wie der Luchs-Mann im Fachjargon genannt wird, und eine ein Jahr alte Luchsin kommen. Schließlich soll die Pforzheimer Luchs-Dame nicht lange alleine bleiben. Bereits am Montag, als der kranke Luchs von seiner Partnerin getrennt wurde, habe das Weibchen maunzend am Gitter protestiert, berichtet Tierpflegerin Kull. „Als ob sie es geahnt hätte.“ Dorothee Messmer





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