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21.02.2007

Ganztagsschule in Gefahr

PFORZHEIM. Der geplante Start der Brötzinger Schule als Ganztagsbetrieb ist in weite Ferne gerückt. Die Stadtkämmerei will nur die Hälfte des von der Schule geforderten Raumprogramms bewilligen. Die Fronten sind verhärtet.

SPD-Schulbürgermeister Gert Hager steht nach eigenen Worten ausdrücklich hinter dem Raumprogramm, das die Schule für ihre 600 Jungen und Mädchen kalkuliert, um vom Herbst an eine Ganztagsschule zu gewährleisten. Die 1275 Quadratmeter für Mensa, Ruhe- und Bewegungs- sowie Veranstaltungsräume seien die Untergrenze dessen, was fachlich vertretbar sei, sagt Hager.

Die Stadtkämmerei sieht das anscheinend anders. Sie gesteht der Schule laut Hager lediglich die Hälfte der Fläche zu. Hager hatte sich im Herbst für den Ausbau von mehreren Ganztagsschulen starkgemacht.

Für Rektor Wolfgang Müller ist die Schmerzgrenze erreicht. Er nennt die Birkenfelder Ludwig-Uhland-Schule als Beispiel, die für ihren Ganztagsbetrieb pro Schüler je drei Quadratmeter zusätzlich ausbaue. „Wir sind bei lediglich 70 Prozent der zusätzlichen rechnerisch benötigten Fläche von 1800 Quadratmetren eingestiegen“, sagt Müller. Im Dezember stimmte der Gemeinderat grundsätzlich dem Ausbau der Ganztagsschule zu. Bis Ende März muss dem Regierungspräsidium Karlsruhe das Raumprogramm zur Genehmigung vorliegen, wenn der enge Zeitplan klappen soll. Daran hängt laut Müller auch das noch zu verfeinernde pädagogische Konzept. „Ich bin enttäuscht“, sagt Müller. Denn was die Stadt vorschlage, sei ein Schlag ins Gesicht der engagierten Lehrerschaft.

Die soll laut Verwaltung auf 250 Quadratmetern in den Keller der Schule ziehen. Dort, wo früher die Badeanstalt war. Wegen der niedrigen Raumhöhen gestatte das städtische Bauaufsichtsamt dort aber nur einen zweistündigen Aufenthalt pro Tag. Ein Ausbau des Dachgeschosses im denkmalgeschützten Haus käme die Kommune viel teurer, vermutet Müller.

 


Die Zeit reicht nicht für Umbau

 

Dass die Brötzinger Schule zum Herbst als Ganztagsschule starten wird, hält der Gebäudemanagement-Chef Gerhard Biehmelt für äußert unwahrscheinlich. Denn das Raumprogramm, dass die Schule sich wünscht, sei auf den vorhandenen Flächen nicht unterzubringen. Für einen Anbau gibt es aber keinen Gemeinderatsbeschluss. Jetzt liege der Vorgang beim Schulamt, das mit der Brötzinger Schule über ein abgespecktes Raumprogramm verhandele. Biehmelt vermutet, dass die Zeit bis Ende März nicht reichen wird, um ein Raumprogramm abzustimmen. „Die Architekten stehen in Warte-position“, sagt er. Sie können aber erst beginnen, wenn wir den Raumbedarf kennen. Die nächste Möglichkeit, sich den Umbau genehmigen zu lassen, komme ein Jahr später.