



PFORZHEIM. Tierschützer Robert Weiß (73), der seit 30 Jahren die Pforzheimer Tauben betreut, verschlägt es nicht so schnell die Sprache. Es sei denn, dass – wie jetzt geschehen– sich die Stadt Esslingen mit seinen Federn schmückt.
Die Schlagzeile, die der Taubenbeauftragte des Tierschutzvereins Pforzheim, Robert Weiß, in den „Stuttgarter Nachrichten“ gelesen hat, ist für ihn wie eine Faust aufs Auge: „Esslingens Taubentrick wird bundesweit kopiert“.
Nach dem Zeitungsbericht hat vor neun Jahren die Stadt Esslingen mit der Geburtenkontrolle in Taubenhäusern begonnen und durch Geburtenkontrolle mit Gispeiern die Population um ein Drittel reduziert. „In Pforzheim machen wir das seit dem Jahr 1988. Da hat wohl eher die Stadt Esslingen Pforzheims Taubentrick abgekupfert“, so Weiß. Im fortgeschrittenen Alter klettert er immer noch in die verschiedenen Taubenhäuser – zum Missfallen seiner Ehefrau Gertrude, die Angst um ihren Robert hat. Weiß entnimmt im Jahr rund 1100 Taubeneier und ersetzt sie durch Attrappen. „Ich freue mich über jede Stadt, die wie Pforzheim ihre Tauben-Population kontrolliert“, betont er.
„Weil wir Tauben human umsiedeln und ihren Nachwuchs reduzieren, hat Pforzheim kein Taubenproblem mehr wie früher, als rund 200 Tauben auf dem Dach eines Hauses an der Bissingerstraße tonnenweise Kot hinterlassen hatten“, so Weiss. Dank der Umsiedlung der meisten dieser Stadttauben in den Schlag beim Platz an der Rossbrücke (seit 1997 in das Taubenhaus bei der Inselschule) sei das Problem entschärft. Pforzheims erstes Taubenhaus wurde 1988 im Stadtgarten errichtet. Es folgten die Taubenhäuser bei der Inselschule, eines im Huchenfelder Garten von Robert Weiß (als Krankenstation genutzt), ein städtisches Taubenhaus im Wildpark und das neueste auf dem Gelände des Zentraltierheims „Hinter der Warte“. Mit diesen fünf nimmt Pforzheim im Ranking der Taubenhaus-Anzahl landesweit den zweiten Platz ein. Platz eins teilen sich die Städte Aachen und Augsburg mit jeweils sieben Taubenschlägen.
„Wir wollen in unseren Taubenhäusern gesunde und keine unterernährten Tiere haben, die oft Krankheiten übertragen“, betont der ehrenamtlich engagierte Mann, der sich schon vor 1988 um das Taubenproblem gekümmert hat. „Als die Anti-Baby-Pillen, die wir den Tauben verabreichten, gesetzlich verboten wurden, weil auch geschützte Greifvögel keine Nachkommen mehr bekamen, ließen wir uns den Gipseier-Trick einfallen“, erklärt er. Rund 20.000 Euro pro Taubenhaus müsste eine Stadt bezahlen, wenn sie ein neues bestellt. Dank Robert Weiß spart die Stadt selbst diese Summe.
Der frühere Huchenfelder CDU-Gemeinderat und später bis zum Jahr 1985 tätige Pforzheimer Gemeinderat, spielt heute als 73-Jähriger noch „Feuerwehr“, wenn es darum geht, punktuell ein Taubenproblem zu lösen. So hat er beispielsweise auf Wunsch Taubenfallen im Rodgebiet aufgebaut und siedelt die eingefangenen Tiere um.
„Aber ganz ohne Tauben sollte eine Stadt nicht sein, denn sonst gehört sie zu den sterbenden“, sagt er. Die Anzahl von einem Prozent der Bevölkerung vertrage nach dem Urteil von Fachleuten eine Stadt an Tauben. Weiß hat schon viele Menschen beraten und zahlreiche Städte-Anfragen beantwortet, aber die Diplomarbeit von Marion Theiss aus München, die ihm über die Schulter geblickt habe, freue ihn besonders. „Die Studentin hat ein zukunftsweisendes Konzept entwickelt, bei dem ein Taubenhaus im modernen Design im Innern eines Lichtmastes integriert wurde“, so Weiß.
Autor: Roger rosendahl





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