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09.11.2008

Gefängnisleiter Hubert Fluhr: "Das war schon sehr brutal."

Hubert Fluhr, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Heimsheim und damit zuständig für die Außenstelle Pforzheim, kann sich nicht erinnern, so einen Fall schon einmal erlebt zu haben. „Das ist zum Glück kein Alltag“, sagte er nach dem missglückten Ausbruchsversuch mit Geiselnahme, den drei Gefangene zwischen 19 und 20 Jahren zu verantworten haben.

Vor knapp einem Jahr hatten zwei Pforzheimer Häftlinge eine Entführung vorgetäuscht – auch sie scheiterten mit ihrem Vorhaben. Doch dieser jüngste Ausbruchsversuch stellt schon eine Steigerung dar. „Das war schon sehr brutal“, sagte Fluhr im Gespräch mit PZ-news. Der als Geisel genommene Beamte erlitt bei dem Angriff Kehlkopf- und Schädelprellungen.

Dass die Aktion trotzdem glimpflich endete, ist vor allem einigen anderen jungen Gefangenen zu verdanken: Als die Geiselnehmer mit ihrem Opfer ins Treppenhaus flüchten wollten, schritten andere Insassen ein, rissen und drängten die gewalttätigen Häftlinge ab und befreiten dadurch den Beamten. Zu Hilfe gerufene Bedienstete konnten die Geiselnehmer schließlich überwältigen.

„Noble, menschliche Geste“

„Dass die anderen Häftlinge geholfen haben, freut uns natürlich sehr“, sagte Gefängnisleiter Fluhr. Das sei keine Selbstverständlichkeit, gerade in Zeiten, in denen die Menschen bei Gewalttaten oft zur Seite sehen, anstatt sich einzumischen und zu helfen. Fluhr sprach von einer „noblen, menschlichen Geste, die wir zu würdigen wissen“.