nach oben
04.03.2008

Gewalt nimmt stetig zu

Die jährliche Kriminalstatistik – laut Polizeichef Holger Trunk ist sie ein Seismograf für Entwicklungen. Oder Fehlentwicklungen. Auf dem Papier sieht das für 2007 so aus: Pforzheim bleibt Zweitbester Stadtkreis hinter Heilbronn mit den absolut niedrigsten Verbrechenszahlen seit 2000. Die Kriminalität ging zurück, wohingegen sie im Enzkreis stieg.

Kopfzerbrechen machen der Polizei besonders die Jugend-Cliquen „Chaos“, „Stylos“ und „Ö-Bronxxx“ in Niefern-Öschelbronn. Sicherste Gemeinde im Kreis ist Engelsbrand. Hier ist man praktisch straftatenfrei.
Kontinuierlich zugenommen haben in den vergangenen Jahren die Gewalttaten. Überproportional vertreten sind bei den unter 21-jährigen Tatverdächtigen Nichtdeutsche und Spätaussiedler. Bei den Gewaltverbrechen machen sie über die Hälfte der Tatverdächtigen aus.
Gründe sind laut Trunk Arbeits- und Perspektivlosigkeit, eine schlechte Schulausbildung, mangelnde Integration, ein falsch verstandener Ehrbegriff und Gruppendynamik.Angestiegen ist auch die Zahl der jungen Intensivtäter.

Dass die Zahlen bei der Rauschgiftkriminalität zurückgegangen sind, hat nichts damit zu tun, dass weniger geschluckt, gespritzt oder gekifft wird. Bedingt durch personelle Engpässe – zwischen dem theoretischen Haushaltssoll und der tatsächlichen Arbeitsstärke herrschte zeitweilig eine 15-prozentige Diskrepanz –, gab es weniger Anzeigen. Eine Rolle spielte auch der G 8-Gipfel in Heiligendamm: Wochenlang wurden starke Einsatzkräfte der Bereitschaftspolizei nach Heiligendamm abkommandiert – und fehlten als Unterstützer für die Fahndungs- und Ermittlungsgruppe „Gold“, die sich um die Bekämpfung der kleinen und mittleren Kriminalität kümmert.

Kriminaloberrat Reiner Sonnet verweist auf die gestiegenen Präventionsmaßnahmen. Einige von ihnen sind neu wie zum Beispiel polizeiinterne Fortbildungsveranstaltungen zum Thema Stalking.