

Die Nürnberger haben „Flocke“, die Berliner haben „Knut“, die Stuttgarter freuen sich über „Wilbär“ und die Pforzheimer haben „Naomi“. Das Alpaka-Baby aus dem Wildpark hatte in der Goldstadt für Aufregung gesorgt, weil ihm seine Mutter „Chanel“ nach der Geburt keine Milch geben konnte (die PZ berichtete). Die Ersatzmilch aus Bretten ist inzwischen nicht mehr nötig, denn der Kleinen geht es wieder gut und sie kann bei ihrer Mutter trinken.
Besonders begeistern konnten sich für „Naomis“ Schicksal die Junior-Ranger und so übernahmen sie eine bronzene Patenschaft für das Alpaka-Mädchen. Schon seit August 2003 ist es im Wildpark möglich, Tierpatenschaften abzuschließen. Bisher kam dies 340 Mal vor und aktuell gibt es 150 davon. Besonders hoch im Kurs steht dabei der Elch mit 40 Patenschaften. Je nach Geldbetrag wird die Patenschaft als Bronze, Silber, Gold oder Diamant bezeichnet und auf Wunsch außen am Gehege gewürdigt. Einige Firmen haben sich bisher für eine Tier-Patenschaft eingesetzt, aber laut Wildparkchef Carsten Schwarz seien es vor allem Kinder, die dies als besonderes Geschenk bekommen. „Manche Kinder schenken sich sogar selbst eine Patenschaft und kratzen ihr ganzes Geld zusammen. Das ist wirklich bemerkenswert“, meint Schwarz anerkennend. Jährlich kommen so bis zu 35 000 Euro zusammen und damit werden Großprojekte wie etwa das Luchsgehege mitfinanziert.
Der Medienrummel um die Eisbären habe im Wildpark keine Zunahme der Patenschaften bewirkt. Dies komme laut Schwarz vor allem dann vor, wenn es eine neue Tierart, ein neues Gehege oder Neugeborene gibt. „Die Besucher begeistert vor allem das niedliche Aussehen von den Babys. Das reicht von treudoof bis wehrlos und unbeholfen“, sagt der Wildparkchef.
An den Pforzheimer Schulen waren „Knut“ und Co. ebenfalls ein großes Thema: Karin Waldau, Lehrerin an der Buckenbergschule, hat auf Wunsch ihrer Schüler der Klasse 3c im Fach MeNuK (Menschen, Natur und Kultur) aus einer Tapete mit Fellcharakter Fensterbilder basteln lassen. Zahlreiche Drittklässler entschieden sich dafür, kleine Eisbären auszuschneiden.
Aber was ist es, das die Menschen so an den Tierbabys fasziniert, dass sich ein regelrechter Boom entwickelt hat? Tom Handtmann, Leiter der Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und deren Familien erklärt: „Das hat die Evolution so eingerichtet.“ Der Hauptgrund dieser Begeisterung sei das sogenannte „Kindchenschema“ des Kleinkindergesichtes, das bei Menschen und höheren Tierarten vorkommt. Es weise auf die Schutzlosigkeit der Kleinen hin und löse als Schlüsselreiz für beschützendes Verhalten aus. Das gilt auch für Säugetiere.
„Wir können uns quasi kaum dagegen wehren, die Babys ,knuddelig‘, drollig oder ,süß‘ zu finden“, sagt Handtmann und weist darauf hin, dass auch die Industrie das Kindchen-Schema bei der Herstellung von Spielzeug nutzt – zum Beispiel bei Teddybären oder bei den Manga-Comics. Daniela Huber





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