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Im Gespräch über die Situation der Berufsschulen: Georg Milo, Tanja Traub (beide IHK), Schulleiterin Margarete Schaefer, Julika Bauer, Vorsitzende SPD-Ortsverein Pforzheim Süd, IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler, Kultusminister An-dreas Stoch, SPD-Landtagskandidatin Annkathrin Wulff und Reinhard Maier, Schulleiter aus Nagold (von links).   Foto: Seibel
Im Gespräch über die Situation der Berufsschulen: Georg Milo, Tanja Traub (beide IHK), Schulleiterin Margarete Schaefer, Julika Bauer, Vorsitzende SPD-Ortsverein Pforzheim Süd, IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler, Kultusminister An-dreas Stoch, SPD-Landtagskandidatin Annkathrin Wulff und Reinhard Maier, Schulleiter aus Nagold (von links). Foto: Seibel
15.01.2016

IHK zeigt sich zufrieden mit Berufsschulpolitik von Andreas Stoch

Beim TV-Duell im SWR am Donnerstagabend zwischen CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf und Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Bündnis 90/Die Grünen) war die Bildungspolitik eine der Hauptangriffsflächen, auf die der Herausforderer zielte. Von Unzufriedenheit war hingegen beim Besuch des Kultusministers Andreas Stoch (SPD) seitens der Industrie- und Handelskammer Nordschwarzwald wenig zu spüren.

Thema des Gesprächs, das auf Initiative des IHK-Berufsbildungsausschusses zustande kam, war die Situation an den beruflichen Schulen im Kammerbezirk vor dem Hintergrund sinkender Schülerzahlen und des Flüchtlingszustroms. Neben Vertretern der Kammer beteiligten sich SPD-Landtagskandidatin Annkathrin Wulff, ihre Stellvertreterin Julika Bauer sowie Margarete Schaefer, Geschäftsführende Schulleiterin der beruflichen Schulen in Pforzheim und Rektorin der Johanna-Wittum-Schule, und ihr Kollege Reinhard Maier aus Nagold an der Diskussion.

Weniger Unterrichtsausfall

Jeweils über 1000 neue Lehrstellen seien in den vergangenen drei Jahren für die beruflichen Schulen geschaffen worden, sagte Stoch – und erntete dafür Lob von IHK-Hauptgeschäftsführer Martin Keppler: Die Unterrichtsversorgung habe sich „deutlich verbessert“. Sein Hinweis, der nach wie vor bestehende Unterrichtsausfall müsse „mittelfristig weiter gesenkt werden“, war einer Pressemitteilung zu entnehmen.

Es seien laut Keppler eine Reihe von Themen angesprochen worden, die „die IHK drücken“, darunter der Umgang mit den rückläufigen Schülerzahlen. „Wir haben die Tendenz, dass uns Klassen wegbrechen, etwas bremsen können“, so Keppler, „das Problem hat sich in den letzten Jahren entschärft.“ Stoch betonte seinen Willen zum Erhalt von Kleinklassen, die unter der Mindestschülerzahl von 16 bestehen bleiben, um zu weite Anfahrtswege für die Azubis zu vermeiden. Rund 1300 solcher Klassen gebe es derzeit. Er wolle das Netz der Berufsschulen nicht ausdünnen. „Wir können die Klassen aber auch nicht an jedem Standort endlos verkleinern.“ Lösungen soll durch die Zusammenarbeit über Grenzen von Landkreisen und Regierungspräsidien hinweg die regionale Schulentwicklung liefern, bevor die Schülerzahl kritisch wird. Keppler legte den Fokus auf Maßnahmen, um junge Menschen früh an eine duale Ausbildung heranzuführen. Geht es nach Landtagskandidatin Wulff, könne eine solche ein Schulfach zur Berufsorientierung darstellen.

Flüchtlinge als Chance

Auch das Thema Flüchtlinge wurde angesprochen. Stoch verwies auf die Vervierfachung der Sprachförderung innerhalb der vergangenen anderthalb bis zwei Jahre – „ohne, dass andere Bereiche leiden mussten“. In Pforzheim und dem Enzkreis seien rund 20 sogenannte VABO-Klassen (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen) geschaffen worden. Laut Schaefer würden somit alle minderjährigen sowie 20 Prozent der 18- bis 21-jährigen Flüchtlinge der Stadt beschult.

Stoch warb dafür, den Zuzug als Chance für die Wirtschaft zu begreifen. Nach einem Jahr in den VABO-Klassen sollten die Schüler in der Lage sein, in Regelklassen zu wechseln. Was den Übergang ins Berufsleben angeht, zeigte sich Schaefer weniger optimistisch: Da könnten „Wunsch und Wirklichkeit auseinandergehen“.