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18.03.2010

Iraker erhalten eine Stimme

PFORZHEIM. Wenn der Gemeinderat zustimmt, hat Pforzheim von nächstem Dienstag an seine erste irakische Vertreterin im Integrationsausschuss: Bushra Musa, 41, Kauffrau für Bürokommunikation im Kolpinghaus.

PFORZHEIM. Wenn der Gemeinderat zustimmt, hat Pforzheim von nächstem Dienstag an seine erste irakische Vertreterin im Integrationsausschuss: Bushra Musa, 41, Kauffrau für Bürokommunikation im Kolpinghaus.


Knapp 1300 Iraker leben in Pforzheim – und durch Familienzusammenführung könnten es bald 2000 werden (die PZ berichtete). Dieser Tatsache trägt der Integrationsausschuss Rechnung. Bereits Ende vergangenen Jahres bat man die Iraker, einen Vertreter aus ihrer Mitte in das Gremium zu berufen, um die Interessen der Landsleute zu vertreten. Die Iraker sind bereits jetzt die viertgrößte Ausländergruppe, nach Türken, Italienern und Kroaten. Ohnehin übt Pforzheim auf Iraker – keiner weiß so recht warum – eine starke Anziehungskraft aus. Nun hat sich Bushra Musa bereit erklärt, dem Ausschuss anzugehören. Stellvertreter der seit zehn Jahren in Deutschland lebenden Bürokauffrau ist der 40-jährige gelernte Elektriker Basil Petros. Er lebt seit elf Jahren in Deutschland, arbeitet in Straubenhardt.

Bereits seit dreieinhalb Jahren existiert ein vom Landeskultusministerium initiiertes und aus Mitteln der Landesstiftung finanziertes Patenschaftsprojekt: Ehrenamtliche unterstützen Jugendliche, helfen ihnen bei der Suche nach Praktika, Lehrstellen, Vorstellungsgesprächen. Die irische Soziologin Miriam Geoghegan stellte die Erfolgsbilanz anhand einiger Karrieren von Jugendlichen vor. Bei einer Fachtagung im österreichischen Klagenfurt hatte sie bereits das Pforzheimer Lernbegleiterprojekt als „Best-Practice-Beispiel“ präsentiert.

Vom Wirtschaftsministerium stammt der Förderaufruf „Azubi statt ungelernt – mehr türkische Jugendliche ausbilden“. An Emine Akyüz ist es, Eltern aufzusuchen und ihnen klar zu machen, wie wichtig eine abgeschlossene Lehre für ihre Kinder ist. So gut wie nie stößt sie dabei auf verschlossene Türen – die Eltern begreifen, dass es für ihre Sprösslinge keine Alternative gibt auf der Suche nach einem guten, halbwegs ordentlich bezahlten Job.

Anlaufstelle für Migranten

Seit zwei Jahren gibt es den Jugendmigrationsdienst in der Trägerschaft des Internationalen Bundes. Er ist eine Ergänzung der Migrationsberatungsstellen von Caritas und Diakonie. Maka Dolidze, eine der drei Ansprechpartner des Dienstes, zog eine positive Bilanz. Im Rahmen der individuellen Integrationsförderung begleitete der Dienst 91 Migranten und beriet 365 von ihnen, darunter 50 Spätaussiedler.