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08.07.2010

Iraker sollen persönliche Daten abliefern

PFORZHEIM. Die irakischen Neubürger sollen bei ihrem ersten Gang zum Rathaus an der sogenannten Clearingstelle automatisch vorbeikommen: Die Mitte August startende und bis Ende des Jahres befristete Stelle mit einer Verwaltungsfachkraft soll beim Bürgercentrum angesiedelt werden. Das hatte der Gemeinderat am 29. Juni mehrheitlich beschlossen. Land und Kommune zahlen die benötigten 20 000 Euro. Auftrag der Stelle mit Hilfe von Dolmetschern: Informationen sammeln. Das soll dazu dienen, für die Neuankömmlinge passgenaue Angebote in der Stadt zu schaffen.

„Wir wissen bislang nichts über diese Menschen,“ sagt die städtische Integrationsbeauftragte Anita Gondek. Akademiker oder Analphabeten, traumatisiert oder arbeitsfähig: All diese Informationen sollen helfen, die Iraker zu unterstützen und schnell einzugliedern.

Bislang leben bereits 1360 Iraker in der Stadt als anerkannte Flüchtlinge. Über Familiennachzug werden weitere Erwachsene und Kinder erwartet, die teilweise unterschiedliche Sprachen sprechen und unterschiedlichen Religionen angehören. In der Stadt stünden außerdem Sozialarbeiter der Caritas, der Diakonie und der Jugendmigrationsdienst als Berater bereit. Diese Stellen würden zwar konkrete Problemstellungen wie Wohnungssuche bearbeiten, seien aber als Zentren der Datenerhebung untauglich. „Im letzten Monat sind 37 Iraker nach Pforzheim gezogen, in diesem Monat 23. Sie sind aber nicht bei den Beratungsstellen angekommen“, erklärt Gondek. Zum Ausländeramt müsse aber jeder dieser Menschen.

Viele unter 18 Jahren

Bei der Clearingstelle soll deshalb einerseits auf die Beratungsstellen hingewiesen werden. Andererseits wird ein Bogen auf Deutsch und Arabisch Daten erfassen. Zumindest über die Altersstruktur weiß das Ordnungsamt schon jetzt Bescheid: 612 Iraker sind unter 18 Jahren, nur 13 Menschen über 60 Jahren. Die Hälfte der 1360 Personen sind bei der Arge Jobcenter gemeldet, weil sie Arbeit suchen oder finanziell unterstützt werden. Die Stadt trägt für diese Menschen zum großen Teil die Kosten der Unterkunft und Heizung (1,2 Millionen Euro jährlich). Ein anderer Teil hat bereits Arbeitsstellen auch im Tiernahrungssektor.