

Der wichtigste Zeuge in einem Verfahren vor dem Jugendschöffengericht fehlte leider. Warum, weiß man nicht, vielleicht hatte er einfach nur Angst vor seinen ehemaligen Mitgefangenen in der Jugendvollzugsanstalt Pforzheim, die auf der Anklagebank saßen.
Die fünf jungen Männer zwischen 18 und 23 Jahren sollen ihn im Februar vergangenen Jahres brutal misshandelt und gedemütigt haben. So rasierte man ihm unter anderem die Augenbrauen ab, spritzte ihm Duschgel ins Gesicht, ließ ihn mit entblößten Knien auf Salz knien, zwang ihn einem seiner Peiniger die Fußnägel abzukauen, sich mit einer Klobürste die Zähne zu putzen und schmierte ihm noch mit Kot verschmiertes Toilettenpapier ins Gesicht.
Unvorstellbar eigentlich, ein derartiger Umgang zwischen Menschen. Und doch – so meinte es zumindest einer der Anwälte der Angeklagten gegenüber Richter Andreas Witulski – Teil des Knast-Alltags in Deutschland, Teil einer – wenn auch erschreckenden – „Knastkultur“ gar. Dafür spricht, dass die drei, die hauptsächlich an den Misshandlungen ihres Mitgefangenen beteiligt gewesen sei sollen, die gegen sie erhobenen Vorwürfe auch weitgehend einräumten. Einer von ihnen – der Jüngste von allen – konnte nicht mal sein Grinsen angesichts der damaligen Taten unterdrücken und schilderte alles so, als sei es das normalste der Welt gewesen und überhaupt nur ein großer Spaß.
Aber so normal war es dann wohl doch nicht. Auch im Knast nicht. Das machte ein Zeuge klar, der zu jener Zeit ebenfalls in der JVA inhaftiert war und so alle Beteiligten und auch die Umstände gut kannte. „Nein, so nicht“, antwortete er auf die Frage des Richters, ob derart entwürdigende Behandlungen durch Mitgefangene im Gefängnis üblich seien. „Er hat schon viel ertragen müssen“, meinte er bezüglich des Opfers der Übergriffe. Es sei schlimm gewesen. Und warum das alles? Weil man den Zellennachbarn nicht mochte. Weil der zu selten duschte. Bei der Arbeit meist fehlte. Die Zelle nicht lüftete. Weil er von den anderen Gefangenen ständig Tabak schnorrte und nie etwas zurück gab, weil er die Leute ausgenutzt und hintergangen habe. Mist erzählt habe. So schilderten es zumindest die Angeklagten.
Das Verfahren wird am kommenden Donnerstag, 21. Juni um 9.30 Uhr fortgesetzt.
Autor: Rainer Würth






Das lesen Abonnenten am Samstag in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":





Leserkommentare (29)
Mehr KommentareEinzelarrest und Haftverlängerung für alle mehr...
hmmm...und sowas soll dann nach der "resozialisierung" wieder in den alltag?...meine güte logisch gibts in allen lebenslagen eine gewisse hackordnung und bei den schweren jungs ja auch, und wer sich nicht integrieren kann der hat es überall schwer....aber sowas + dann lächelt auch noch einer dazu...kranke + dumme hirne...einfach nur kranke + dumme hirne.... mehr...
Wie wärs denn mit Resozialisierung durch Wiedergutmachung, egal in welcher Form? Und wenns nur Aufräumen im Wald ist anstelle vom Knasthotel auf Steuerzahlers Kosten. Mit elektronischer Fussfessel verginge denen dabei auch die Lust auf "Strafverkürzung". Aber halt, ich Dummerchen, die Menschenrechte...:o... mehr...