




PFORZHEIM. Über einen ungewöhnlichen Fund haben sich gestern Mittag Arbeiter gewundert, die im südlichen Bereich des Parkplatzes beim Siloah-Krankenhaus mit dem Erdaushub für eine Wasserleitung beschäftigt waren.
Bauarbeiter Joaquin Soares glaubt seinen Augen nicht zu trauen. „Da liegt doch ein Menschenknochen auf der Baggerschaufel“, ruft er. Sofort werden die Arbeiten bei der Kurzen Steig gestoppt. Ein Blick in die etwa eineinhalb Meter tiefe Erdaushubstelle zeigt, dass hier noch mehr menschliche Knochenreste liegen. Handelt es sich möglicherweise um ein Verbrechen oder gar einen grausigen Mordfall in dunkler Vergangenheit?
Die Polizei wird angerufen, um Licht in das mysteriöse Geheimnis zu bringen. Die Beamten verständigen den Kampfmittelbeseitigungsdienst aus Stuttgart, der mit den erfahrenen Beamten Klaus Peter Olssen und Andreas Müller anrückt, um vor Ort in Pforzheim das Rätsel dieses ungewöhnlichen Fundes zu entschlüsseln.
Weil die Gefahr besteht, dass noch Munition oder vielleicht sogar Bomben-Blindgänger im Graben liegen könnten, wird ein Metallsuchgerät eingesetzt. Höchste Vorsicht ist angesagt. Das Gerät entdeckt neben zwei metallenen Gürtelschnallen einen verrosteten Soldaten-Tornister, in dem sich ein Aschenbecher, eine Zahnbürste mit Tubenpaste und einige verwitterte Geldmünzen befinden.
Kräftiges Bürsten der Gürtelschnalle macht die Gravur „Gott“ sichtbar. „Daraus schließen wir, dass die Knochen von einem deutschen Wehrmachtssoldaten stammen“, sagt Andreas Müller und entgegnet damit dem aufgekommenen Gerücht unter Passanten, dass es sich doch auch um die Überreste eines getöteten französischen Soldaten gehandelt haben könnte.
„Die Gürtelschnalle und der Tornister in unmittelbarer Nähe der Knochen lassen uns die Wehrmacht-Theorie als wahrscheinlicher ansehen“, so Klaus Peter Olssen. Auch weitere Funde bestätigen das.
Die Beamten entdecken nämlich auch 30 Schuss MG-Munition, die sie zur Sicherstellung zum Kampfmittelbeseitigungsdienst nach Stuttgart mitnehmen. Zur Wahrung der Totenruhe werden die Knochen eingesammelt. Sie sollen auf dem Pforzheimer Hauptfriedhof anonym bestattet werden. Zur Zeit des zweiten Weltkrieges war das Siloah-Gelände nicht bebaut. Auf alten Aufnahmen sind in diesem Gebiet viele Krater zu sehen, die auf eine heftige Bombardierung schließen lassen. Der Soldat könnte dabei ums Leben gekommen und von einem mitfühlenden Menschen an Ort und Stelle begraben worden sein.
Autor: Roger rosendahl und Gerhard Ketterl





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