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23.07.2009

Kommentar: Gert Hagers Amtsantritt weckt viele Erwartungen

Der ehemalige Sozial- und Kulturbürgermeister Gert Hager ist am Donnerstag in sein Amt als Oberbürgermeister in Pforzheim eingeführt worden. Sein Amtsantritt weckt viele Erwartungen. Mut ist gefragt. Das fordert PZ-Redakteur Marek Klimanski in seinem Kommentar zur Amtseinführung.

Nach kurzer Zeit sieht sich der große Hoffnungsträger bereits mit der Kehrseite der hohen Erwartungen konfrontiert: Ungeduldig drängen die Bürger auf Verbesserungen, die Presse beginnt zu quengeln, und die Zustimmungsrate ist Umfragen zufolge von 81 auf 55 Prozent gesunken. So ist es Barack Obama ergangen.

Nachdem zuletzt auch Weggefährten des neuen Pforzheimer Oberbürgermeisters Gert Hager über ihn urteilten, er sei kein Obama, kann man nur anfügen: Gott sei Dank. Schon an den ganz normal sterblichen Hager werden immense Erwartungen gerichtet. Die Pforzheimer City als Herz und Motor der Stadt braucht dringend Hilfe, die Pforzheimer Wirtschaft kämpft auf dem Höhepunkt ihres Strukturwandels auch noch mit den Folgen der weltweiten Krise, die Zahl der Unterstützungsbedürftigen in der Stadt wächst. All dem muss gegengesteuert werden, ohne den laufenden Betrieb zu vernachlässigen. Das alles bei mehr als leeren Kassen.

Die Anforderungen an Hager und an die Stadtverwaltung sind gewaltig. Auch hausintern. Die Rathaus-Beschäftigten klagen verständlicherweise über eine in Folge des Spardrucks ausgedünnte Personaldecke. Und Privatisierungen haben sich auch nicht immer als der Weisheit letzter Schluss erwiesen.

Hager weiß das alles. Er weiß und sagt aber auch – und schon dies wird neue Begehrlichkeiten wecken –, dass man eine Stadt kaputt sparen kann. Gar nichts zu investieren, geht eben auch nicht. Da sind klare, mutige Entscheidungen gefragt. Einen Riesen-Vorteil hat der neue OB: Die Wähler haben auch der CDU als großer Fraktion im Gemeinderat gezeigt, wozu sie in ihrer Unzufriedenheit in der Lage sind. Und dem Gemeinderat steht drei Jahre früher als Hager die nächste Wahl ins Haus. Bei der werden die Stadträte erfolgreiche Weichenstellungen und Projekte vorweisen wollen. Das dürfte sie von Zaghaftigkeit, Zögerlichkeit und Blockadehaltung nachhaltig kurieren.