nach oben
18.10.2010

Lehrerschnuppertag: Interessengemeinschaft sucht den Kontakt zu Schulen

PFORZHEIM. Einmal im Jahr öffnet ein Unternehmen der Interessengemeinschaft Wilferdinger Höhe für Lehrkräfte seine Pforten. Denn der Lehrerschnuppertag entwickelte sich aus dem Tag der offenen Betriebe. Dort schauen Schüler hinter die Kulissen der Unternehmen, beim Lehrerschnuppertag sind es die Lehrkräfte, die dazu lernen. In diesem Jahr fand der so genannte Lehrerschnuppertag für rund 30 Lehrer, die an sieben verschiedenen Pforzheimer Haupt- und Realschulen unterrichten, beim Unternehmen Admedes Schuessler statt.

„Wenn es ums Bewerben, um Praktika und Ausbildungsplätze geht, dann ist ein kurzer Draht zwischen Lehrer und Unternehmer wichtig“, betonte Nicole Kälber, Vorsitzende der Interessengemeinschaft Wilferdinger Höhe.

„Ich wohne nicht vor Ort und bin interessiert, Unternehmen auf der Wilferdinger Höhe kennen zu lernen“, begründete ein Pädagoge sein Interesse. Was kaum jemand der Teilnehmer wusste: Das Unternehmen, das in diesem Jahr die Lehrer hinter die Tore blicken ließ, stellt überlebenswichtige Stents (Gefäßstützen aus Metall) für die Aorta, für Herzkranzgefäße, für Beinarterien, oder winzige Stents für Hirngefäße und Herzklappenrahmen her. „Die Admedes Schuessler GmbH ist das weltweit führende Unternehmen in der Herstellung von Gefäßimplantaten aus der Formgedächtnislegierung Nitinol“, so Prokurist Stefan Gimber.

Das Unternehmen, das derzeit 420 Mitarbeiter beschäftigt, davon rund 220 in der Produktion, wächst kontinuierlich. Werkzeugmechaniker werden hier ebenso gebraucht wie Industriekaufleute und Ingenieure. Neu entwickelt wird derzeit der Beruf des Produktionstechnologen. „Wir wollen niemanden aus Hamburg herholen, der sich zwar für einen Job bei uns interessiert, dem aber Pforzheim als Stadt nicht so sehr gefällt. Wir würden gerne auf Fachkräfte aus der Region setzen, aber wir suchen häufig Monate lang“, so Gimber.

„Wie soll man bei einem Bewerber, der schlechte Noten hat, dessen Unterlagen man automatisch weglegt, herausfinden, dass seine Feinmotorik besonders gut ist“, fragten die Unternehmensvertreter immer wieder bei Lehrern nach. Firmen setzen auf Auswahlverfahren, Tests, Praktika und Assessment-Center. „Bewerbungen sind häufig unpersönlich. Es ist interessant, wenn jemand Sportwart in einem Verein ist oder sich bei der Feuerwehr engagiert“, waren sich Nicole Kälber und Isabel Meister, Personalleiterin bei Admedes Schuessler einig. „Der Mensch ist bei uns besonders wichtig, er muss bereit sein, noch mehr als in der Schule zu lernen, denn das meiste kann nicht maschinell gemacht werden“, so Gimber.

Wünsche von Lehrern, neue Berufsbilder an die Schulen zu schicken, gaben die Unternehmer direkt weiter. „Dafür ist die Agentur für Arbeit zuständig“, betonte Marcus Bouquerot vom Audizentrum Pforzheim und blickte zu Silvia Storzer und Marion Jonait von der Pforzheimer Arbeitsagentur, die den Lehrern beim diesjährigen Lehrerschnuppertag auch Rede und Antwort standen. „Sie können uns für die Schule buchen“, informierten Nicole Kälber (Intersport Profimarkt), Alexander Koch (Mannuss), Ralf Beckert (Kleiner) und Stefan Gimber (Admedes Schuessler) die Lehrer.

Das Gegenstück zum Lehrerschnuppertag ist der Tag der offenen Betriebe, den die Interessengemeinschaft Wilferdinger Höhe nicht für Lehrer, sondern Schüler organisiert. Er findet am 12. November von 9 bis 13 Uhr statt.