


Für Christoph Wellendorff ist Ernest Gallo ein Vorbild, ein Mann der Taten, ein Mann, der schlicht und ergreifend keine andere Chance hatte, als – gemeinsam mit seinem Bruder Julio – der Beste zu werden. Auch damals, Ende der 20er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts, habe es eine Weltwirtschaftskrise gegeben, erzählte der Schmuckunternehmer dem gespannt lauschenden Publikum, das sich am Mittwochabend zu der Podiumsdiskussion „Luxus in Zeiten der Rezession“ unter Leitung des Chefredakteurs der „Pforzheimer Zeitung“, Jürgen Metkemeyer, in den Schmuckwelten Pforzheim versammelt hatte.
Gallo, Sohn italienischer Einwanderern aus dem Piemont, habe in Kalifornien niemanden gekannt, hatte kaum Geld und sprach die Sprache nicht, führte Wellendorff aus. Heute halten die beiden Brüder mit „E. & J. Gallo Winery“ das weltgrößte Weingut in Familienbesitz und sind zweitgrößter Weinproduzent der USA. Eine Erfolgsgeschichte also.
„Ob Krise oder nicht, auch wir konzentrieren uns ausschließlich auf unser Geschäft“, sagte er. Nur zwei Dinge seien wichtig: Die Produkte – und damit einhergehend die besten Mitarbeiter, Materialien und Technologien – sowie die Kunden. „Und sonst nichts“, so der Pforzheimer Schmuckunternehmer. Das beste Produkt finde zu jeder Zeit Abnehmer, lautet Wellendorffs Devise.
„Die große Chance dieser Krise liegt in Sachwerten, in Immobilien, Diamanten und Gold“, ist auch Alexander Meth, Herausgeber der Fachzeitschrift „Der Juwelier.at“, überzeugt. Die Chance sei so groß wie nie. Georg Leicht, Pforzheimer Juwelier, präzisiert: „Wir haben wahre Werte anzubieten, ganz im Gegensatz zu anderen Luxusartikeln, die vor allem durch gutes Marketing zu Luxusartikeln werden.“ Wichtig sei nun, diese Werte mit entsprechender Glaubwürdigkeit und Seriosität zu verkaufen. „Noch sind unsere Umsätze nicht besorgniserregend“, so der Juwelier.
Leichter gesagt, als getan, fand eine Unternehmerin, die im Auditorium saß. „Wir sind keine Marke“, sagte sie, weshalb die Juweliere derzeit kaum Interesse an ihren Produkten zeigten. „Sie müssen dem Juwelier klar machen, dass Sie sich mit ihrem Produkt abheben“, so Leicht.
Doch Meth bremste etwas: „Juweliere wollen momentan auf Sicherheit gehen, daher entscheiden sie sich für Marken.“ Sogenannte „No-name“-Produkte fänden aktuell keinen Zuspruch mehr. So einfach sei das nicht, widersprach Wellendorff: „Wir laden unsere Kunden ein und suchen nach gemeinsamen Zielen.“ Probleme des Juweliers müssten gelöst werden. Derzeit gebe es vorrangig eines: „Wie verkaufe ich?“ Entscheidend sei, aus der Rolle des Lieferanten heraus in eine Partnerschaft hineinzukommen.
Ein Schulterschluss muss nach Meinung von Markus Wojnar, Maurice Lacroix-Geschäftsführer, aber auch zwischen den Produzenten angestrebt werden. Was laut Jörg Gellner, Chef des Perlenschmuckunternehmens Gellner, jedoch gar nicht so einfach ist. „Was Pforzheim verschlafen hat, ist ‚made in germany’“, so seine Kritik. Inhalte eines Produkts würden nicht mehr transportiert und viele Firmen seien einfach zu klein dazu. „Mit einem Marketingbudget von 200 000 bis 300 000 Euro im Jahr kommt man nicht weit.“ Wichtig wäre daher ein ganzheitliches Konzept für Pforzheim, findet auch Wellendorff. „Einzelprojekte zu starten ist fast unmöglich, wenn manchen ohnehin schon das Wasser bis zum Hals steht.“





Das lesen Abonnenten am Montag exklusiv in Ihrer "Pforzheimer Zeitung":