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18. Juni 2012
Ein Mix aus Vertretern vieler Länder hört den Berichten – mal heiter, mal nachdenklich – von Neu-Pforzheimern zu.  Jähne
Ein Mix aus Vertretern vieler Länder hört den Berichten – mal heiter, mal nachdenklich – von Neu-Pforzheimern zu. Jähne

Migranten präsentieren persönliche Erinnerungsstücke im „Haus der Biografien“

„Auswandern heißt, sich von allem zu trennen und Gewohntes für immer zurück zu lassen: die Familie, das vertraute Umfeld, die Traditionen, die Sprache. Einfach alles.“ Anita Gondek, Integrationsbeauftragte der Stadt Pforzheim, weiß, wovon sie spricht: Als sie 1982 nach Deutschland kam, hatte sie zwar das polnische Abitur in der Tasche, jedoch keine Arbeit, keine Freunde und auch der deutschen Sprache war sie kaum mächtig.

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„Alles, was ich bisher gelernt hatte, mein ganzes Wissen war mit einen Schlag verpufft. Ich hatte Heimweh, wusste nicht mehr, wie es weitergehen sollte.“

Im Rahmen der „Mix verstehen“-Ausstellung im „Haus der Biografien“, konnte Gondek nun ein kleines Objekt von hohem ideellem Wert vorstellen, das ihr über all die Jahre hinweg erhalten blieb und mit zahlreichen Erinnerungen verknüpft ist: ein kleiner Taschenkalender, der beinahe schon eine Tagebuch-ähnliche Funktion eingenommen hatte. „Hier habe ich Eindrücke und persönliche Erlebnisse niedergeschrieben, die mich in dieser wenig einfachen Lebensphase begleitet haben.“ Im Rahmen der „Bring Dein Ding“-Veranstaltung wurde den rund 50 Besuchern manches persönliche Erinnerungsstück präsentiert: Eine Frau aus Zagreb hatte beispielsweise eine traditionelle kroatische Volkstracht mit dabei, die nun im Pforzheimer Wohnzimmer hängt und dort als Blickfang dient. Auch gegenseitige Klischees, die vornehmlich noch aus den späten Siebzigern stammen, kamen zur Sprache wie: Alle Südländer haben dunkle Augen und einen dunklen Teint, während die Deutschen aussehen wie Curd Jürgens oder Gerd Fröbe, schütteres Haar hätten und leicht einen Sonnenbrand bekämen.

Alte Heimat verlassen

Doch nicht nur die heiteren Aspekte rückten in den Vordergrund, auch Nachdenkliches und Tragisches. Neben den mehrfach zitierten Sprachschwierigkeiten und den damit verringerten Berufs- und Bildungschancen hatten viele ihre alte Heimat unfreiwillig verlassen müssen. So auch Anita Gondek, die aus Polen ausgewandert war, weil dort innenpolitisch bedingte Kriegszustände geherrscht hätten.

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Chor „Pforzheimer Stimmen“. Gegründet wurde er Anfang des Jahres und besteht neben deutschen Mitgliedern aus zahlreichen Migrantengruppen, die in Pforzheim vertreten sind, so dass mehrsprachige Lieder zum Repertoire gehören.

Autor: Alexander Jähne | Pforzheim

18.06.2012
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