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17.11.2010

Militärgeschichte Pforzheims erscheint als Buch

PFORZHEIM. Der in Hohenwart lebende Historiker Hagen Franke schreibt an einem Buch, in dem die Militärgeschichte Pforzheims von der Römerzeit bis zur Gegenwart beschrieben wird. Franke war 22 Jahre lang Lehrer an der Heinrich-Wieland-Schule gewesen. Das Buch „Militär in Pforzheim – eine Garnisonsgeschichte als Beitrag zur Stadtgeschichte“ wird im Frühjahr auf den Markt kommen.

Pforzheim und Krieg – das ist nicht zu reduzieren auf das schreckensreichste Ereignis in der Geschichte der Stadt, also der Bombardierung am 23. Februar 1945 durch die alliierte Luftwaffe und das Auslöschen von über 17 000 Menschen. Vielmehr muss, wer ausführlich informieren will, um die militärische Bedeutung der Drei-Täler-Stadt wissen, eingebettet in einen historischen und sozialen Kontext, von der Römerzeit bis in die Gegenwart. Schließlich lag Pforzheim strategisch günstig. Da ist nicht nur von den Erzlagerstätten bei Neuenbürg der Enz entlang bis zur Keltensiedlung Hochdorf die Rede. Oder der römischen Militärstraße von Straßburg über Ettlingen, Pforzheim, Tiefenbronn nach Cannstatt.

Es gibt die furchtbaren Folgen der Pfälzischen Erbfolgekriege Ende des 17. Jahrhunderts, als die Truppen von Ludwig XIV. unter General Melac in Baden und der Pfalz einen Gürtel verbrannter Erde zwischen Frankreich und den deutschen Staaten hinterließen; es gibt die Eppinger Linien, an die in Pforzheim die Palisaden inmitten des Kreisverkehrs an der zweiten Buckenbergauffahrt erinnern. Spuren in der Geschichte haben die Napoleonischen Kriege hinterlassen. Es gibt das „Pforzheimer Bürgermilitär“ im 19. Jahrhundert und das sogenannte „Fabrikantenkorps“. Und natürlich das Infanterie-Regiment 111 (über das Franke bereits 2008 ein Standardwerk geschrieben hat). Natürlich die Wartberg-Kaserne (heute Briefzentrum im Gewerbegebiet Hohenäcker), die Buckenberg-Kaserne (heute Neubaugebiet Tiergarten) und die US-Raketenstation im Hagenschieß (heute Brache und hin und wieder Weide für einen Öko-Bauern).

Verbunden mit den Alliierten, gibt es die Geschichten über die legendären Feten bei den Amerikanern, wo mancher Pforzheimer, so er Kontakt zu einem GI hatte, erste Erfahrungen mit dem Rock'n'Roll machte. Oder die Volkswanderungen mit den französischen Husaren, die aus den sogenannten Spahi-Regimentern aus Algerien, Marokko und Tunesien erwuchsen. Oder an die immer freundschaftlich werdenden Beziehungen zwischen der Bevölkerung und den Franzosen – Soldaten waren lange fester Bestandteil des Reitturniers auf dem Buckenberg, Unteroffiziere trafen sich im Casino an der Östlichen/Schulberg, ehemalige Soldaten wurden Fahrer bei den Stadtbussen und vieles mehr. Und natürlich der Hilfeleistung nach dem Tornado 1968. ol