

PFORZHEIM. Eine Großfahndung der Polizei am Wochenende ist zeitlich zusammengefallen mit dem Geburtstag des Präsidenten der hiesigen „Hells Angels“ – vielleicht wurden deshalb so viele Baseballschläger sichergestellt.
Der Chef der Rocker-Gruppe „Hells Angels“ hatte zum Geburtstagsfest geladen: 300 bis 400 Gäste aus nah und fern in eine Disco auf der Wilferdinger Höhe. Natürlich wusste das die Pforzheimer Kripo. Und es traf sich gut, dass für genau diesen Abend das Innenministerium, sprich das Landeskriminalamt, eine der regionalen Großfahndungen angeordnet hatte.
Die Schwerpunkte der Kontrollen werden regelmäßig gewechselt – mal dreht es sich vorrangig um Drogen, Gewalt, Einschleusung oder Diebstahl. „Beifänge“ wie die Festnahme von polizeilich gesuchten Personen inklusive.
Am vergangenen Freitag (die PZ berichtete) kontrollierten rund 80 Beamte der Polizeidirektion und der Bereitschaftspolizei zwischen 18 und 23 Uhr den Verkehr, was zu erheblichen Verzögerungen im Feierabendverkehr führte. Überprüft wurden etwa 100 Fahrzeuge und rund 230 Personen.
Ein Blick in eine Kiste bei der Kripo zeigt den Fund jener Nacht: einhändig zu bedienende Klappmesser (verboten), Teleskopschlagstöcke (verboten), Beile, Äxte, Baseballschläger aus Holz, eine Schreckschuss-Pistole, Pfeffersprays in allen Größenordnungen.
„Wir wollten wissen, wer alles kommt“, sagt Polizeisprecher Michael Sengle. Es seien Abordnungen anderer befreundeter Motorradgruppen angereist. Keine Namen, keine Zahlen, keine Details. Die Polizei gibt sich zugeknöpfter als sonst, nennt auch nicht den genauen Ort der Geburtstags-Party. Nach PZ-Informationen handelt es sich um eine Disco an der Wilferdinger Höhe. Die „Hells“ sind ein heißes Eisen.
Man weiß, dass sich ihr Hauptquartier in der Nordstadt befindet, einer ehemals zur Prostitution genutzten Immobilie mit Videokameras an allen Ecken. Auffallendstes Auto ist eine schwere schwarze Limousine mit dem Internet-Schriftzug eines FKK-Clubs in Bruchsal.
Das gleiche Auto stand im übrigen auch – nebst anderen Nobelschlitten – auf dem Parkplatz des Hauptfriedhofs, als vor Kurzem der Hausdiener der Rotlicht-Größe Marcus Eberhardt alias Prinz von Anhalt ausgesegnet wurde, nachdem er Selbstmord begangen hatte. Auch eine Abordnung der „Hells Angels“ legte ein Gebinde nieder.
Die Polizei weiß auch, dass es die „Hells“ – wo auch immer – in die Türsteher-Szene der Discos zieht. Das blieb nicht ohne Widerspruch. Aber die Lage hat sich beruhigt: „Hells“, „United Tribuns“ und „Black Jackets“ haben einen Burgfrieden geschlossen. Konsens ist: keine Kooperation mit den „Bandidos“. Denn mit denen gibt es einen erbarmungslosen Bandenkrieg – zum Glück nicht in Pforzheim, da die Goldstadt nach Auffassung von Insidern Rückzugs- und nicht Aktionsgebiet ist.
Die Disco-Landschaft auf der Wilferdinger Höhe hatte der Polizei in den vergangenen Jahren ohnehin schwer zu schaffen gemacht. Randale, Alkohol-Exzesse, Schlägereien waren an der Tagesordnung, starke Polizeipräsenz band Kräfte und schuf Überstunden en masse.
Der Druck wurde erhöht, auch das Ordnungsamt zog die Schrauben an, drohte unverhohlen mit dem Entzug der Konzession, wenn die Flatrate-Partys nicht aufhörten. Die Betreiber zeigten sich darauf hin kooperativ. Die Aktion „Schutzengel“-Begleiterinnen der männlichen „Sturm-und-Drang“-Discogänger wirken mäßigend auf die Risiko-Gruppe ein – tat ein Übriges.
Polizeichef Burkhard Metzger konnte zufrieden sein. Ironisch sieht es ein Blogger auf der PZ-Homepage: An solchen Tagen (wie am vergangenen Freitag) könne man sich sicher fühlen und könne sich ohne Bedenken dort aufhalten, „ohne Angst zu haben, von wildgewordenen kleinen Möchtegerns angepöbelt zu werden“.
Autor: Olaf LOrch-Gerstenmaier





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