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29.09.2011

Pfarrer Carstensen in der Werktagskirche der Stadtkirche verabschiedet

Pfarrer Johannes Carstensen(63) hatte bei seiner Einführung am 21. August 1994 in der Heiliggeistkirche in Dillweißenstein im Alter von 45 Jahren die Gläubigen aufgefordert, wieder Gottesvertrauen zu fassen. Damals hatte er den genialen Physiker Albert Einstein mit den Worten zitiert: „Die entfesselte Macht des Atoms hat alles verändert, nur nicht unsere Denkweise.

Wir brauchen eine neue Denkungsart.“ Am Donnerstag, bei seiner Verabschiedung in der Werktagskirche der Stadtkriche, hat der Begründer der Relativitätstheorie nur insofern eine Rolle gespielt, dass Carstensen in vielen Bereichen seines segensreichen Wirkens in Pforzheimer Seniorenheimen manches in seinem Leben relativiert hat und tatsächlich oft eine neue Denkungsart mit viel ehrenamtlichem Engagement bei vielen Menschen gefunden hat.

Das „Nordlicht“ Carstensen, gebürtiger Schleswig-Holsteiner, der vor seiner Pforzheimer Zeit in Ahorn-Buch bei Tauberbischofsheim seinen Dienst versah, kam als eine Art „Feuerwehr“ nach Pforzheim: Die Dillweißensteiner Pfarrstelle war zwei Jahre vakant und wurde durch insgesamt fünf Vikare und eine Vikarin besetzt. Dann kam Carstensen, der verheiratete Pfarrer mit vier Söhnen, der stets durch ausgleichende und moderate Vorstellungen glänzte, wie sie auch im Familienleben hilfreich sind. Krankheitsbedingt musste er allerdings diese Arbeit aufgeben und versah stattdessen einen seelsorgerlichen Sonderdienst in kirchlichen und nichtkirchlichen Heimen – unter anderem im katholischen Walter-Geiger-Haus der Caritas sowie im „Martinsbau“.

Die Werktagskirche der Stadtkirche hatte er sich für seine Verabschiedung deshalb ausgesucht, weil Walter Eisinger, Vater des Stadtkirchenpfarrers Hans Gölz-Eisinger, ihn im Jahr 1975 mit ordiniert hatte. Und Walter Eisinger kam aus Heidelberg angereist, und umarmte Johannes Carstensen besonders herzlich.

„Lobet den Herrn, meine Seele, der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler“. Was dieser Psalm 103 von David ausdrücke, fühle Carstensen bei seinem Abschied. Mit Zitaten des ehemaligen amerikanischen Präsidenten Abraham Lincoln „Ich gehe langsam, aber ich gehe nie zurück“ und der schwedischen Kinderbuchautorin Astrid Lindgren „Es gibt kein Verbot für alte Weiber auf Bäume zu klettern“ reicherte Carstensen seine Predigt an. Denn heutzutage bekomme auch ein Pfarrer jeden Tag ein Zitat frei Haus im Internet geliefert.

Dekan Stössel wies auf den Michaelistag hin, den Tag der Verabschiedung von Carstensen. Der Engel des Herrn lege sich schützend um die Menschen. Dieses Bild der Nähe Gottes möge auch über der Verabschiedung dieses Pfarrers der badischen Landeskirche leuchten, denn „wo Sie Ihren Dienst getan haben, erleben Sie den Heiligen Geist“, sagte Stössel.