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08.10.2010

Pforzheimer Kirchen stehen zum Islam

BERLIN/PFORZHEIM. Eine Islam-Debatte jagt die nächste. Bundespräsident Christian Wulff hat mit seinen Äußerungen zur Integration einen Volltreffer gelandet: Zumindest wurde anschließend kräftig darüber diskutiert.

Die Debatte entzündet sich an einem Satz: „Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Dass sich der neue Bundespräsident in seiner ersten großen Rede zum Tag der deutschen Einheit in Sachen Integration so klar positioniert hat, kam beim Deutschen Kulturrat, bei der Türkischen Gemeinde in Deutschland, den Grünen und der FDP gut an. Ausgerechnet aus den eigenen Reihen bekam der CDU-Mann aber Gegenwind zu spüren: Die christlich-abendländlische Kultur sei die Leitkultur, betonte besonders die CSU. Aber auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe forderte im Nachgang ein klares Bekenntnis zur christlichen Tradition.

In der Spitze der beiden christlichen Kirchen in Pforzheim sieht man die Sache deutlich entspannter. „Natürlich muss man sagen, dass der Islam mittlerweile zur deutschen Kultur gehört. Das ist doch gar keine Frage“, sagte der evangelische Dekan Hendrik Stössel. Wulff habe eine offensichtliche Wahrheit verkündet. Auch seinem katholischen Kollegen, Dekan Bernhard Ihle, liegt es fern zu bestreiten, dass die Muslime eine immer größere Rolle spielen: „Dass der Islam in einer starken Wachstumsphase ist, ist nicht zu übersehen.“

Die Gruppe der Atheisten wächst

„Wir müssen lernen, dass wir nicht mehr das Monopol haben“, sagt Ihle auch. Allerdings geht es dabei keinesfalls nur um die wachsende Zahl der Muslime. Eine mindestens ebenso große Rolle spielt, dass die Gruppe der Atheisten wächst. In einer Umfrage der Europäischen Kommission antworteten in Deutschland im Jahr 2005 immerhin rund 50 Prozent, dass sie nicht an Gott glauben. Für Pforzheim lässt sich das nur indirekt nachvollziehen, da nur evangelische und katholische Religionszugehörigkeit erfasst werden. Atheisten, Muslime und alle anderen fallen unter die Kategorie „Sonstige“. Dennoch ist die Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte bezeichnend: Der Anteil der Evangelischen Christen verringerte sich seit 1985 von 53,5 Prozent auf 34,5 Prozent im Jahr 2009. Im gleichen Zeitraum legten „Sonstige“ von 15,4 auf 38,8 Prozent zu.