
PFORZHEIM. Vor einem Jahr startete das Projekt P.A.R.T.I. als Antwort auf die Gewalt in der Discoszene auf der Wilferdinger Höhe. 22 Jungtäter absolvierten bislang einen Interventionskurs beim Bezirksverein für soziale Rechtspflege.
Die aktuellen Zahlen im Bereich Jugendgewalt hatten im vergangenen Jahr Polizei, Staatsanwaltschaft, Drogenberatung und den Bezirksverein an einen Tisch gebracht: 246 Gewalttaten bei Jugendlichen und Heranwachsenden im Jahr 2007 sahen die Verantwortlichen als Signal, um zu handeln. Besonders auf der Wilferdinger Höhe war die Entwicklung im Discomilieu besorgniserregend. Schnell wollte man im Ernstfall handeln, die jungen Leute nach Straftaten schnell in Interventionskurse vermitteln.
Inzwischen hat sich die Situation entschärft, sagt Hauptkommissar Andreas Stäble, zuständig für den Bereich Drogenprävention bei der Polizeidirektion. Um 35 Prozent sei die Jugendgewalt im Jahr 2008 zurückgegangen. Die Jugendlichen, die freiwillig an dem zweitägigen Kurs des Bezirksvereins teilnehmen, kämen inzwischen aus Stadt und Enzkreis. Die Delikte heißen Körperverletzung, Verkehrsrowdytum, Sucht, Raub und Erpressung. Ein Jugendlicher, der etwa bei einer Schlägerei mit einer Flasche auf jemanden losgegangen, ansonsten aber noch nie im Gewaltbereich stark auffällig geworden war, ist typisch für die Klientel. „Jugendliche, bei denen wir von einem Sinneswandel ausgehen.“
Ein 15-Jähriger hatte kürzlich die Autoschlüssel seines Vaters gestohlen und war mit dessen Wagen auf der Autobahn von der Polizei aufgegriffen worden. Ebenfalls ein Fall für P.A.R.T.I. In der Regel werde der Kontakt über die Polizeibeamten vermittelt. In vier Fällen war der Kurs außerdem beim Bezirksverein eine Auflage von der Staatsanwaltschaft gewesen. „Oftmals raten Anwälte davon ab, weil es möglicherweise bei einem Strafverfahren als Schuldeingeständnis gelten könnte“, sagt Stäble.
Von 23 angesprochenen Tätern im Alter von 14 bis 22 Jahren haben sich im vergangenen Jahr 18 zur Teilnahme eines zweitägigen Kurses mit insgesamt zehn Stunden bewegen lassen, sagt Hubertus Welt, Geschäftsführer des Bezirksvereins für soziale Rechtspflege.
Acht Kandidaten warten im Moment auf den Beginn eines neuen Kurses im Juli. Unter Gleichaltrigen den Sinn von Alkoholexzessen zu diskutieren und nach Alternativen suchen, bringe etwas fürs Umdenken, erklärt Trainerin Silke Wuff. Ihr zur Seite steht eine Mitarbeiterin der AG Drogen und bei Bedarf ein Mitarbeiter der Verkehrspolizei. Für Welt ist eine schnelle Reaktion auf Fehlverhalten Jugendlicher durch Intervention ein gutes Mittel, um die Betroffenen vor einem Abdriften in die Straffälligkeit zu schützen
Gerne würde er an den Schulen zum Thema Gewaltprävention einsteigen und arbeitet an einem entsprechenden Konzept. Wie es nach Jahresende mit dem Projekt P.A.R.T.I. weitergeht, ist ungewiss. Bis dahin finanziert ein Sponsor die Kurse. Das Geld der Landesstiftung ist ausgelaufen.
Autor: MARTINA SCHAEFER





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