




„Abends“, sagt Christian Nicolau, „da sind wir kaputt.“ Noch ein Vesper, in den vergangenen Wochen eine WM-Halbzeit Fernsehen, vielleicht ein ganzes Spiel. Aber dann ist Schluss. Die Nacht endet kurz nach fünf oder sechs Uhr – je nachdem, wie heiß es ist. Von der Lindenstraße 48 aus setzt sich ein Tross von zwei Dutzend Männern in Bewegung. Ziel ist die Großbaustelle Hilda-Gymnasium.
Zehn Stunden lang werden sie malochen, die Arbeitsstiefel mit den Stahlschutzkappen an den Füßen, den Helm auf dem Kopf. Hoch oben in den Kanzeln der beiden Kräne oder tief unten im Loch. Sie verschalen, flechten Eisen, ziehen Wände hoch, setzen Pfähle.
Aus Rumänien sind sie gekommen, 24 Mann hoch. Christian, 58, ist ihr Ober-Polier. 22 Jahre alt ist der Jüngste, rund 50 Jahre der älteste. Einige alte Hasen sind dabei, andere zum ersten Mal, unter Vertrag genommen und ausbezahlt vom Bauunternehmen Residenz. Die rumänische Firma ist ein sogenanntes Werklohnunternehmen, erhält von der Rohbaufirma Bold (Achern) eine Summe, die sich nach Kubikmetern Betoneinbau, Quadratmetern Schalung und verlegten Tonnen von Baustahl richtet.
Christian, deutschstämmiger Banater Schwabe, kommt seit 1992 auf deutsche Baustellen. Unter anderem mit seiner Hände Arbeit entsteht der Flughafen Berlin Brandenburg International. Viele Bauten wurden hochgezogen, weil Rumänen ranklotzen – unter deutscher Bauaufsicht. Nur Gesamt-Bauleiter Wolfgang Zeller, Bold-Bauleiter Frank Leimbach und Polier Uwe Boos sind Deutsche.
„Mit Billiglohn hat das nichts zu tun“, sagt Leimbach. „Du gibst zehn Angebote ab, um einen Auftrag zu bekommen – und plötzlich hast Du drei davon im Korb. Ist gut fürs Geschäft und deutsche Arbeitsplätze – aber die Spitzenauslastung kriegen wir nur durch Arbeiter aus dem Ostblock in den Griff.“ Man habe sehr gute Erfahrungen mit Rumänen gemacht. Die Türen der Baucontainer an der Luisenstraße gehen auf. Die Männer treten raus in die Hitze, es sind über 35 Grad. Drei Liter Wasser pro Tag kippen sie sich rein, mindestens. Kein überflüssiges Wort, jeder weiß, was er zu tun hat. Und jeder weiß, wofür er es tut.
Fast alle haben Familie in Rumänien, sei es in Siebenbürgen oder in der Hauptstadt Bukarest. Sie verdienen, sagt Christian, fünfmal so viel wie in der Heimat – wenn sie dort überhaupt Arbeit finden. Auch in Rumänien hat die Krise Spuren hinterlassen. Ende Februar 2011 müssen sie mit dem Rohbau (Kosten: 5,3 Millionen Euro) fertig sein. Dann werden sie packen. Die nächste Baustelle wartet schon.
Autor: Olaf Lorch-Gerstenmaier





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Leserkommentare (7)
Mehr KommentareUnd was ist mit den hiesigen Bauunternehmen, welche diese Arbeiten genau so qualifiziert durchführen würden? Diese gehen natürlich leer aus! Fakt ist nun einmal, das bei Ausschreibungen, nur derjenige den Zuschlag erhält, welcher das günstigste Angebot macht. So wie überall in der freien Marktwirtschaft, wird auch im Bausektor in Zeiten der Globalisierung, knallhart kalkuliert, ohne Rücksicht auf ansässige deutsche Unternehmen und deren Arbeitnehmer! mehr...
So ist es nun mal! Auf allen Grossbaustellen wird mann fast keine deutsche Bauarbeiter mehr finden. Wen ich sowas höre das dies nichts mit billigen Arbeitskräften zu tun hätte.Ich glaube nicht das die Leute soviel Stundenlohn bekommen wie ein deutscher Arbeiter! mehr...
einzuwenden wollen auch nur ihre Familien ernähren, aber das wollen die deutschen Bauarbeiter auch!!! Mein Schwager hatte bis Mai Kurzarbeit auf dem Bau weil sein Betrieb dauernd unterboten wurde von Billigangeboten und mit der klaren Ansage eines Bauunternehmens, er werde alle Kleineren Betriebe so lange unterbieten bis sie weg sind. Und 2011 entfällt das Entsendegesetz das heisst alle in der EU können dann zu billigst Preisen anbieten in jedem Dienstleistungssektor. Na dann mal los.... mehr...