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Wie das Zusammenleben laufen muss: Georg Lichtenberger (Zweiter von links) und Markus Schütz (rechts) sind Teil des Runden Tisches für die Flüchtlingsunterkunft am Hagenschieß.
Wie das Zusammenleben laufen muss: Georg Lichtenberger (Zweiter von links) und Markus Schütz (rechts) sind Teil des Runden Tisches für die Flüchtlingsunterkunft am Hagenschieß.
31.01.2016

Runder Tisch für die Unterkunft bringt den Flüchtlingen Arbeit und Sport

Der kleine Ball ist weg. Der dazugehörige Kicker steht in der Küche der ehemaligen Franzosenschule an der Hagenschießstraße. Dort leben seit wenigen Wochen 40 Männer, vor allem aus Pakistan, dem Irak, Gambia und Nigeria. Bis weit nach Mitternacht spielten die Gambier täglich am Kicker, beklagt sich ein Syrer. Der Raum, den er sich mit anderen teilt, grenzt an die Küche. Der Krach hindere ihn am Schlafen, morgens sei er beim Deutschkurs müde.

Schon in der Woche zuvor hatte Heimleiterin Marion Denzinger klar gesagt: Um 24 Uhr sei Schluss mit dem Spielen, und unnötiger Krach beim Kickern sei verboten.

Dort, wo sonst gegessen wird, sitzen an diesem Freitagnachmittag Sprecher der einzelnen asylsuchenden Nationen, Vertreter der Diakonie als Flüchtlingshilfe, der Heimleitung, und der Kirchengemeinden Buckenberg, Haidach, St. Elisabeth und der Gemeinde Gottes am Tisch. Ein gutes Instrument, findet Pastoralreferent Markus Schütz, um Konflikte zu besprechen und auszuräumen. Pastor Georg Lichtenberger moderiert das Gespräch in englischer Sprache.

Die wichtigste Pflicht aller Nationen sei es, die Deutschkurse zu besuchen, erläutert er den Neuangekommenen. Das Zusammenleben könne nur dann klappen, wenn alle Verantwortung übernehmen würden und sich gegenseitig respektierten. Das gelte auch für die Einhaltung des Putzplans. Ein regelmäßiges Sportangebot in der Buckenberghalle, neuerdings auch Tischtennis, schätzen vor allem die Gambier, wie sich am Runden Tisch herausstellt. Begegnungen mit Bewohnern vom Haidach sind mitunter auch für die Flüchtlinge unangenehm. „Lasst euch nicht provozieren“, rät Lichtenberger.
Thomas Murphy von der Gesellschaft für Beschäftigung und berufliche Eingliederung (GBE) will zusammen mit Arbeitsanleiter Jürgen Hätscher einem dringenden Wunsch der Asylsuchenden erfüllen. Ab sofort könnten sich zunächst sechs Männer einige Euro auf die Hand verdienen, indem sie die Stadt säubern. „Es gibt keinen besseren Weg, Pforzheim kennenzulernen“, erklärt Murphy. Er stamme aus Glasgow und wisse, wie man sich als Fremder fühlt. Auf seiner Liste stehen 16 Interessenten, von denen Hätscher einige abholen wird. Wo der Kicker-Ball geblieben ist, klärt sich bis zum Ende des Runden Tischs nicht. Irgendwer hat einen Ersatzball aus Tesafilm gebastelt. Über diese Findigkeit muss Diakonie-Chefin Sabine Jost schmunzeln. Denzinger räumt den beteiligten Gruppen noch eine letzte Chance ein. Werde der Konflikt nicht beigelegt, dann komme der Kicker weg.