








Die CDU befindet sich auch im Raum Pforzheim in einer schwierigen Phase. Vor allem in den ersten zwei Reihen ist das Personaltableau dünn.
Es ist dieser Tage viel von den „einsamen Entscheidungen“ des Stefan Mappus in seiner Zeit als Ministerpräsident die Rede. Fairerweise müsste man dazu sagen: Die Konfliktscheu seiner Parteifreunde hat den übermächtigen Regierungschef erst möglich gemacht.
Dass es auch anders gegangen wäre, dass man dem machtbewussten Pforzheimer durchaus etwas entgegensetzen konnte – der eigene CDU-Kreisverband hat das in der Zeit von Mappus’ Aufstieg bewiesen. Vor allem Matthias Wittwer, seinerzeit Erster Bürgermeister der Stadt, im Zusammenspiel mit Alois Amann, dem CDU-Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat. Wittwer war stark genug, sich selbst in einer zentralen Personalie gegen Mappus, damals immerhin schon Kreisvorsitzender und Kabinettsmitglied, durchzusetzen: Die Partei nominierte nicht die von Mappus favorisierte Christine Stavenhagen, sondern Gunther Krichbaum als Bundestagskandidaten 2002.
Heute ist Krichbaum selbst der CDU-Kreisvorsitzende, Matthias Wittwer seit fast neun Jahren tot, Alois Amann hat sich aufs Altenteil zurückgezogen und Stefan Mappus nach seiner Abwahl als Ministerpräsident den Abschied aus der Politik genommen. Und die CDU in Baden-Württemberg durchlebt seit dem Machtverlust die wohl schwierigste Phase ihrer Geschichte. Im Raum Pforzheim sieht es nur um Nuancen besser aus. Eine davon: Die Führungsfrage stellt sich nicht. Gunther Krichbaum ist unumstritten, er gilt als Vollprofi und Mann der Mitte, der die Flügel und widerstrebenden Interessen zusammenhalten kann. Wenn er da ist.
„Am Samstag sehe ich ihn noch neben Angela Merkel im Fernsehen“, sagt ein Parteimitglied von der Basis, „am Sonntag ist er den ganzen Tag mit dem türkischen Botschafter in Pforzheim unterwegs, ich möchte nicht mit ihm tauschen.“ Krichbaum, der Vorsitzende des Europa-Ausschusses im Bundestag, muss ständig den Spagat üben zwischen der großen Außenpolitik, die ihn in Zeiten der Eurokrise ganz besonders fordert, und dem Kleinklein der Lokalpolitik, wenn er den Kreisverband und dessen Handeln vor Ort, in den Kommunalparlamenten und Gremien, auch nur ansatzweise in Form einer großen Linie mit beeinflussen will. Was ihm zugute kommt: „Unsere Geschäftsstelle arbeitet hochprofessionell“, sagt er. Und sein Stellvertreter Martin Gegenheimer nimmt ihm manches Tagesgeschäft ab.
Was Krichbaum die Sache erschwert: Neben ihm ist es sehr einsam geworden in der CDU, und auch in der zweiten Reihe der Partei ist die Personaldecke dünn. Die beiden neuen Landtagsabgeordneten der CDU, Marianne Engeser (Pforzheim) und Viktoria Schmid (Enzkreis), unlängst von der SPD-Bundestagsabgeordneten Katja Mast gegen Krichbaums tapferen Widerstand und unter klammheimlich schadenfroher Zustimmung manches älteren CDU-Mandatsträgers als „diese CDU-Amateurinnen“ geschmäht, müssen zuerst noch zu politischen Schwergewichten heranwachsen. Beide mühen sich redlich. Und beide haben ihre spezifischen Schwierigkeiten.
Viktoria Schmid wird im Enzkreis an der Arbeit ihres FDP-Kollegen Hans-Ulrich Rülke gemessen. Der, schon lange im Geschäft und ein mit allen Wassern gewaschener Politikstratege, legt in der Wahlkreis-Arbeit eine extrem hohe Schlagzahl vor. Er sei der einzig wahre Vertreter des Enzkreises, stichelte der Mühlacker Christdemokrat Günter Bächle, der zuvor allerdings gegen Viktoria Schmid im Kampf um die Landtagskandidatur unterlegen war und, obwohl einer der klügsten Köpfe der hiesigen CDU, in der Zukunft eher keine größere Rolle mehr spielen wird.
Marianne Engeser wiederum, in Pforzheim im Wesentlichen in der Sozialpolitik zu Hause, hatte das Landtagsmandat gar nicht angestrebt. Sie war als Zweitkandidatin für Mappus nachgerutscht. Mittlerweile habe sie erkennbar Freude an dem Landtagsmandat gewonnen und könne ihre Themen, ihre Stärken, ihre Authenzität einbringen, sagen Beobachter unisono. Am Auftritt müsse sie aber noch feilen. „Und eine Finanzpolitikerin wird sie nicht mehr“, sagt ein Parteifreund. Aus heutiger Sicht führt aber kein Weg an ihr vorbei, wenn es um eine erneute Kandidatur für den Landtag geht.
Vor allem die Pforzheimer Gemeinderatsfraktion, der Engeser ebenfalls angehört, taugt derzeit eher nicht zur Kaderschmiede und sucht noch immer ein wenig ihre Rolle, seit sie nur noch größte, aber nicht mehr dominierende Gruppierung im Ratssaal ist. Der politische Macht- und Gestaltungswille, mit dem die früheren Ersten Bürgermeister Siegbert Frank und Matthias Wittwer die Arbeit der Fraktion bereicherten, geht von den zwei heutigen CDU-Männern auf der Bürgermeisterbank, dem Ersten Bürgermeister Roger Heidt und Baubürgermeister Alexander Uhlig, erkennbar nicht aus.
Der Fraktionsvorsitzende Florentin Goldmann, der das Amt von dem auch durch Mappus zermürbten Hermann Meyer übernommen hat, leistet ehrenamtliche Kärrnerarbeit; ein Visionär ist er nicht. Der einst hoffnungsvollste Nachwuchs-Stadtrat Martin Steiner sitzt heute als Chef im Birkenfelder Rathaus und wird dort nicht müde, allen seine Person betreffenden Karriere-Überlegungen ein Dementi entgegen zu halten: Er habe seinen Traumjob bereits gefunden.
Der Kreisvorsitzende Gunther Krichbaum sieht auch, dass es immer schwieriger wird, Personal für den halbprofessionellen Politikbereich auf kommunaler Ebene zu gewinnen und über Jahre aufzubauen. „Aber das Problem haben alle Parteien“, sagt er.
Die CDU in und um Pforzheim 2012 – eine Partei wie alle anderen? Man lernt Bescheidenheit.
Autor: Marek Klimanski






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Leserkommentare (5)
Mehr KommentareWollen wir hoffen, das die PF CDU diese einmalige Chance zu einer positiven Veränderung nutzt. Wobei mit Goldmann und Zeppelin leider noch zwei weniger fähige Personen da sind... mehr...
[QUOTE=Stahl;128340]Wollen wir hoffen, das die PF CDU diese einmalige Chance zu einer positiven Veränderung nutzt. Wobei mit Goldmann und Zeppelin leider noch zwei weniger fähige Personen da sind...[/QUOTE] [FONT=courier new]Das ist richtig, aber wer hat denn schon den Mumm in den Knochen und opponiert gegen den einflussreichen Geschäftsmann und Millionär?[/FONT]:confused: mehr...
Der Titel vom Artikel stimmt so nicht. "Schwergewicht" ja, aber "Verlust"? Letztendlich ist dieser "Verlust" ein Gewinn fuers Land und die Region. mehr...