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24.03.2010

Sozialer Sprengstoff in der Durlacher Straße 6

Kosten der Unterkunft – Hartmut Wagner, Leiter der Stadtjugendring Betriebs GmbH und Diplompädagoge, spricht von einem „Dilemma“. Fakt sei: Pforzheim habe zu wenig billigen Wohnraum, um der wachsenden Zahl von Hartz-IV-Empfängern entsprechende Unterkunft zu bieten. Doch ohne die und ohne Unterstützung könne die Klientel nicht in die Arbeitswelt integriert werden, sondern rutsche immer weiter in die Armut und Verwahrlosung.

Wagner: „Wenn aber die Achtung vor dem eigenen Leben sinkt, sinkt auch die Achtung vor dem Leben anderer.“ So sei es kein Zufall gewesen, dass es gerade in Unterkünften wie der Durlacher Straße 6 zu Tötungsdelikten gekommen sei. Der mutmaßliche Täter, der Anfang Februar einen 50-Jährigen in dessen Appartement im dritten Stock niedergestochen hatte, „war Besucher einer unserer Einrichtungen“. Der Vorfall, sagt Wagner, hätte auch auf der Straße geschehen können, „und dann wäre jeder von uns ein potenzielles Opfer“. Die Problematik bei den Kosten zur Unterkunft sei nicht nur ein finanzielles Problem, sondern habe menschliche Schicksale zur Folge, die auch lebensbedrohlich werden könnten. Wagner: „Ich denke, wir brauchen hier schnell eine Lösung.“

Wagner kommt alles in allem zu dem Schluss: „Ich glaube, dass das Problem der Kosten der Unterkunft, was auch in Pforzheim mehrere Millionen Euro ausmacht, nicht alleine auf kommunaler Ebene gelöst werden kann, sondern einer Umverteilung im Bund-Länder-Kommunen-Gefüge bedarf.“ ol