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01.10.2010

Spielend lernen: Sport verbessert Gedächtnisleistung

PFORZHEIM. Wie Lernleistung und emotionale Prozesse bei Kindern spielerisch gefördert werden können, hat Sabine Kubesch vom Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm bei einem Vortrag im PZ-Forum erläutert.

„Die PZ freut sich, in Zusammenarbeit mit der AOK einen interessanten Vortrag bieten zu können, der viele neue Erkenntnisse bringen möge", wünschte sich Thomas Satinsky, geschäftsführender Verleger der PZ. Und in der Tat war es für viele Zuhörer überraschend, dass bereits ein Sprint im Park von nur zwei mal drei Minuten vor dem Vokabel-Lernen deutliche Auswirkungen auf die Lernleistung hat.

„Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Kinder nach einem solchen Sprint die Vokabeln schneller gelernt und länger im Gedächtnis behalten haben", sagte die Wissenschaftlerin Sabine Kubesch. Ihrer Ansicht nach sei es verrückt, am Schulsport zu kürzen, weil er eben diesen positiven Einfluss auf die Lernleistung habe. In der Realität werde die Bedeutung des Schulsports aber oft unterschätzt.

Lehrkräfte, die vor einem Test mit ihren Schülern joggen, erzielten durchweg bessere Ergebnisse bei den Klassenarbeiten. Körperlich fitte Schüler seien grundlegend aufmerksamer und könnten sich besser konzentrieren. Und wem Gewaltprävention wichtig sei, der müsse damit schon im Kindergarten beginnen.

„Wir sollten ferner das Spielen wieder zurück an die Schulen bringen, weil die richtigen Spiele das Arbeitsgedächtnis im Gehirn verbessern", sagte Kubesch. Schon ein 20-minütiger Spaziergang durch den Park verbessere den Aufmerksamkeitsprozess bei Kindern, der bei zu hohem Medienkonsum aber wieder verlernt werden könne. Auch Rollenspiele, bei denen sich die Kinder etwas merken müssen – als Koch, Kellner oder Gast – machten Spaß und verbesserten die Lernleistung. Nicht das Erlernen eines Musikinstruments mache Kinder intelligent, sondern die Einsicht, dass sie durch Üben besser werden. Das Stammhirn lerne solche allgemeinen Regeln. Man könne mit Kindern spielerisch üben, Störreize auszublenden. Wer sich beim Puzzlespiel vom Handy-Klingelton nicht ablenken lasse, sei konzentrierter und besser in seiner Lernleistung.

„Sei endlich mal ruhig", oder „Pass auf" – derartige Ermahnungen bekämen Kinder oft zu hören. Die Referentin erklärte, warum sich Kinder oft nicht so verhalten, wie sich das die Erwachsenen gerne wünschen. „Weil es Kindern an einer wichtigen Fähigkeit mangelt – der Selbstregulation", sagte Kubesch. So falle es ihnen schwer, sich Ziele zu setzen. Kinder könnten auch ihre Impulse kaum kontrollieren und ihre Aufmerksamkeit steuern. Das sei dann das, was pädagogische Fachkräfte unter „leichter Ablenkbarkeit" oder „fehlender Selbstdisziplin" verstünden – weit verbreitete Verhaltensweisen, die viele Eltern oft ratlos zurückließen

Sabine Kubesch kam zu dem Ergebnis, dass es wichtig sei, die Gehirnfunktionen von Kindern frühzeitig und gezielt zu fördern. Es gehe um jene Funktionen im Denken und Verhalten, die das erfolgreiche Lernen und den kontrollierten Umgang mit den eigenen Emotionen stärken. Der Fachausdruck dafür sei „exekutive Funktionen" – also alles, was Kinder brauchen, um ein angestrebtes Ziel konsequent zu verfolgen. Dazu habe das Transferzentrum von Neurowissenschaften ein Spiel erarbeitet, das erworben werden könne. Es verbessere die „exekutiven Funktionen" durch Übung, die Kindern Spaß mache.