nach oben
Der neue Vorstand der Freunde der Schloßkirche mit dem Vorsitzenden Christoph Timm (links), der das Amt von Jürgen Wahner (Mitte) übernommen hat, sowie Stellvertreter Gerhard Heinzmann. Frei
Der neue Vorstand der Freunde der Schloßkirche mit dem Vorsitzenden Christoph Timm (links), der das Amt von Jürgen Wahner (Mitte) übernommen hat, sowie Stellvertreter Gerhard Heinzmann. Frei
18.10.2016

Stabwechsel beim Verein „Freunde der Schloßkirche“

Am 21. Januar 1946 – knapp ein Jahr nach dem verheerenden Luftangriff der Royal Air Force auf Pforzheim am 23. Februar 1945 – wurde die ökumenische „Stiftung der Freunde der Schloßkirche“ ins Leben gerufen. Ziel war es, das kriegszerstörte, geschichtsträchtige Gotteshaus vor dem Abriss zu retten.

Mit der Einweihung der wiederaufgebauten Schloß- und Stiftskirche St. Michael sah die Stiftung im Jahr 1963 ihre Aufgabe als erfüllt an und löste sich auf. Ihre Tradition setzte dann der Verein „Freunde der Schloßkirche“ fort, der auf Initiative von Jürgen Wahner 1993 gegründet wurde, denn es gab noch, wie auch mittlerweile wieder, vieles zu tun, um „Pforzheims steinernes Geschichtsbuch“ zu restaurieren, zu sichern und zu erhalten.

Wahner wurde der erste Vorsitzende des Vereins, dieses Amt gab er nun nach 23 Jahren ab. Die Mitgliederversammlung wählte den städtischen Denkmalpfleger Christoph Timm zu seinem Nachfolger, dessen Stellvertreter ist der frühere evangelische Schuldekan Gerhard Heinzmann.

Erstes sichtbare Zeichen der materiellen wie ideellen Förderung der Freunde der Schloßkirche war der Einbau einer Turmuhr. Das bisher letzte sind zwei Sonnenuhren, die im Rahmen der Fassaden-Sanierung durch das Amt Vermögen und Bau Baden-Württemberg angebracht wurden. Große Verdienste haben sich Wahner und seine Mitstreiter vor allem aber auch mit dem Museum Johannes Reuchlin erworben, das in der rekonstruierten Bibliothek des Humanisten (ehemalige Sakristei) eingerichtet wurde. Aus Spenden und Zuschüssen waren 1,3 Millionen Euro zusammengekommen. Weitere 350 000 Euro haben die Freunde direkt für Verbesserungen in ihrer Schloßkirche zur Verfügung gestellt.

„Gewisser Interessenkonflikt“

Wahner zeigte sich bei der Mitgliederversammlung erfreut, dass sich sein bisheriger Vize Christoph Timm, der auch Reuchlinbeauftragter der Stadt ist, als sein Nachfolger zur Verfügung gestellt hat und so die Kontinuität in der Tätigkeit der Freunde gewahrt bleibt. Wobei Timm einen „gewissen Interessenskonflikt“ ansprach, den er mit der Übernahme des Vorsitzes gesehen habe, sei er als städtischer Denkmalpfleger kraft Amtes doch Genehmigungsbehörde für die Schloßkirche. Aber die sei für ihn so wichtig, dass er schließlich „ja“ gesagt habe, die bisher so erfolgreiche Tätigkeit von Jürgen Wahner fortzuführen.

Neben dem direkten Einsatz für die Schloßkirche und das Museum Johannes Reuchlin sieht es Timm als einer seiner wichtigen Aufgaben an, jüngere Menschen für den Verein der Freunde anzusprechen. Dieser hat zurzeit 205 Mitglieder, für die anstehenden Aufgaben stehen derzeit rund 60 000 Euro zur Verfügung. Mit der Aufnahme des dritten Vorsitzenden von „Pforzheim Mitgestalten“, Christoph von Lettow-Vorbeck, in den Beirat gab es nicht nur einen ersten Beitrag zur Verjüngung. Gleichzeitig soll damit eine noch intensivere Zusammenarbeit der Vereine dokumentiert und erreicht werden, da sich beide so intensiv „pro Pforzheim“ einsetzen. Wobei in der Kooperation auch die Löbliche Singergesellschaft und die Reuchlingesellschaft eingeschlossen sind.

Aufwertung im Blick

Wahner bleibt dem Vorstand der „Freunde der Schloßkirche“ als Schatzmeister verbunden. Als einer der nächsten großen Aufgaben sieht er wie seine Vorstandskollegen die Unterstützung der evangelischen Kirche Pforzheim in Zusammenarbeit mit dem evangelischen Oberkirchenrat, dem Land Baden-Württemberg und den Denkmalschutzbehörden, zur Verbesserung der Ausstattung der Schloß- und Stiftskirche St. Michael an. Das Land hat 800 000 Euro zugesagt, um das Gotteshaus im Rahmen des ökumenischen Citykirchenkonzepts effektiver nutzbar zu machen. Dabei geht es unter anderem um Fragen der Beheizung, der Bestuhlung, des barrierefreien Zugangs, der Beleuchtung, der Orgel sowie um den Einbau eines Gesprächsraums und einer Toilette.

Der Wettbewerb ist entschieden, jetzt wird der Siegerentwurf weiter bearbeitet (die PZ berichtete). Dabei müssen die exakten Kosten ermittelt werden, der genaue Ablauf für den Umbau ist noch ungewiss.