Recht modern kommt das antike Odyssee-Epos in der Aufführung der Jugendlichen daher. Stadttheater
Recht modern kommt das antike Odyssee-Epos in der Aufführung der Jugendlichen daher. Stadttheater

Stage enter: Jugendliche machen die Antike modern

Im Zusammenhang mit den Jugendlichen stellen wir immer wieder fest, wie wichtig Respekt und Anerkennung sind. Hier bekommen sie es!“, betont Rüdiger Schilling unmittelbar vor der Premiere des Stücks „Eine Odyssee“. Mit dieser Erklärung begrüßte der bei der Polizeidirektion Pforzheim für Prävention verantwortliche Kriminalhauptkommissar nicht nur das Publikum im nahezu ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters, sondern fasste auch die zentrale Idee hinter dem Projekt „Stage Enter“ zusammen, das Schauspieldirektor Murat Yeginer in Pforzheim etabliert hat und auch in der vierten Auflage als Projektleiter begleitete.

Im Zusammenhang mit den Jugendlichen stellen wir immer wieder fest, wie wichtig Respekt und Anerkennung sind. Hier bekommen sie es!“, betont Rüdiger Schilling unmittelbar vor der Premiere des Stücks „Eine Odyssee“. Mit dieser Erklärung begrüßte der bei der Polizeidirektion Pforzheim für Prävention verantwortliche Kriminalhauptkommissar nicht nur das Publikum im nahezu ausverkauften Großen Haus des Stadttheaters, sondern fasste auch die zentrale Idee hinter dem Projekt „Stage Enter“ zusammen, das Schauspieldirektor Murat Yeginer in Pforzheim etabliert hat und auch in der vierten Auflage als Projektleiter begleitete.

In der Tat hätte der Erfolg kaum größer sein können: Als der listenreiche Held nach einer auf 90 Minuten komprimierten Irrfahrt sein geliebtes Ithaka wieder erreicht, den Palast von hinterlistigen, untreuen Schmarotzern gesäubert hat und nach scheinbar endlosen 20 Jahren wieder mit seiner Familie vereint ist, wurde die gelungene Premiere mit euphorischem Applaus und Standing Ovations gefeiert. Und dies hochverdient. Denn was könnte mehr Mut erfordern, als vor Hunderten aufmerksamen Blicken die Stimme zu erheben, Emotionen darzustellen, Pointen punktgenau zu liefern, zu tanzen und zu rappen oder aus voller Kehle zu singen?

Regisseur mit viel Gefühl

Diese reife Leistung des jungen Ensembles spricht aber auch für das Fingerspitzengefühl von Regisseur Markus Löchner und des gesamten Produktionsteams, die das Potential der Jugendlichen authentisch in Szene setzten. Angesichts des antiken Stoffs mit seinem verschlungenen Handlungsstrang sicherlich keine leichte Übung. Doch in der Adaption des Homerschen Epos von Ad de Bont rücken Aspekte in den Vordergrund, die überraschend modern daherkommen.

Den großen Zeus (Marcel Rischar) selbst könnte man als Oberhaupt einer Patchworkfamilie verstehen, dessen Abkömmlinge Athene (Josta Mojeed) und der vorlaut-clevere Götterbote Hermes (Salvatore Labarile) von zwei verschiedenen Müttern stammen. Im Interessenskonflikt zwischen seiner Tochter, die für Odysseus Heimkehr Partei ergreift und seinem Bruder Poseidon, der aus Rache auf das Verderben des Helden sinnt, bleibt es dem Göttervater aber nicht erspart, Machtworte zu sprechen und Blitze zu schleudern. Reibungspotential bietet auch die Welt der Menschen: Telemachos (Robin Margic) etwa leidet unter dem spurlosen Verschwinden seines Vaters Odysseus (David Dittrich). Einfacher wäre es für ihn, der Listenreiche wäre in der Schlacht um Troja gefallen. Denn dann würde er wenigstens als Held verehrt.

Auch der Humor kommt nicht zu kurz. Häufig entsteht er dann, wenn lässig-selbstironischer Jugendslang in das antike Handlungsgeschehen eingeflochten ist. Hier lohnt es sich genau hinzuhören, auch wenn die Dialoge in manchen Passagen etwas schwerer zu verstehen sind.

Abgerundet wird die engagierte Inszenierung durch phantasievolle Kostüme (Janine Weger) und ein Bühnenbild (Melanie Kalkofen), das mit mehreren Ebenen und Schattenwandelementen den komplexen Erzählsträngen eine klare Struktur verleiht.

Weitere Vorstellungen finden am 10. Mai, 11 Uhr und am 12. Mai, 19.30 Uhr statt.

Autor: Marieke Henriques | Pforzheim