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Elisabeth Well (links) und Olli Beck geben Salat und Bananen an Besucher der  Vesperkirche aus. Foto: Bechtle
Elisabeth Well (links) und Olli Beck geben Salat und Bananen an Besucher der Vesperkirche aus. Foto: Bechtle
17.01.2016

Start der Vesperkirche: Gemeinschaft lässt Not besser ertragen

Großer Andrang beim Auftakt der 17. Pforzheimer Vesperkirche, aber 379 Helfer garantieren den Ablauf. Vier Wochen lang stehen Gemeinschaft und ein warmes Essen im Zentrum.

Eine halbe Stunde ist der 48-Jährige von Büchenbronn durch den Schnee bis zur Stadtkirche gelaufen. Jetzt sitzt er mit einem Kumpel in der Ecke des Kirchenraums und wärmt sich an einem Kaffee. Er hat den Geldbeutel daheim vergessen, hat keinen Euro für das langersehnte Mahl.

Noch wenige Minuten bis zur ersten Essensausgabe. Für den ersten Tag der 17. Vesperkirche haben 379 Ehrenamtliche alles hergerichtet: die Tische mit gelbem Wachstuch und Kerzen, die süßen Stückle, Brötchen und Kaffee an einer separaten Ausgabe in der angrenzenden Werktagskirche. 500 Essen hat die beauftragte Metzgerei geliefert: Hähnchenschnitzel, Nudeln, Salat und Pudding warten auf die hungrigen Gäste. Die Schlange an der Essensausgabe wächst rapide. Der 48-Jährige ist Stammgast wie viele, die wie selbstverständlich ihre gewohnten Plätze eingenommen haben. Ein bisschen verdiene er sich zu seiner Sozialhilfe dazu, sagt er. Da er nicht lesen und schreiben kann, ist er auf Hilfe von Sozialarbeitern angewiesen. Er freue sich auf die vier Wochen, in denen er Leute in der Kirche treffen könne und eine warme Mahlzeit erhalte, sagt er.

Gute Wünsche

Damit spricht er wahrscheinlich für die meisten der Jungen und Alten, ärmlich oder normal gekleideten, die gekommen sind, um Gemeinschaft zu erleben. Diesen Wert mitzunehmen ins eigene Lebensumfeld sei wichtig, hatte Dekanin Christiane Quincke zuvor in ihrer Predigt des gut besuchten ökumenischen Gottesdienstes gesagt. Die Liturgie hielt Dr. Josef Fodor. Kaum sind die guten Wünsche gesprochen, drängen sich die Gäste durch die offenen Türen Richtung Kasse. An diesem Tag muss jeder Handgriff der Helfer sitzen, damit kein Unmut aufkommt. An der Kasse verkaufen die Ehrenamtlichen 150 Bons zu einem Euro innerhalb der ersten Viertelstunde.

Für die Arbeit des gut geölten Räderwerks sind neben Leitungsteam und Planungskreis die beiden Vorsitzenden des Vereins Vesperkirche, Sabine Jost und Frank-Johannes Lemke, verantwortlich. Sie behalten im Blick, ob die räumlichen Kapazitäten reichen. „Wir müssen auch schauen, dass neue Gäste einen Platz an den Tischen bekommen und sich aufgehoben fühlen.“ Und sie müssen ablehnen, was gut gemeint ist. „Kleiderspenden nimmt die Diakonie oder auch das Deutsche Rote Kreuz an“, sagt Lemke.

Die PZ-Aktion „Menschen in Not“ unterstützt die Vesperkirche. Sie ist wochentags von 10.30 bis 15.15 Uhr und sonntags von 11.15 bis 15.15 Uhr geöffnet.