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07. September 2010
Bundeskanzlerin feiert den Atomkompromiss als "Revolution", bei den Stadtwerken in Pforzheim und Mühlacker sieht man das ganz anders.
Bundeskanzlerin feiert den Atomkompromiss als "Revolution", bei den Stadtwerken in Pforzheim und Mühlacker sieht man das ganz anders.
© dpa

Steigt Strompreis? - Stadtwerke gegen Atomkompromiss

PFORZHEIM/MÜHLACKER. Die Regierung ist mit ihrem neuen Energiekonzept zufrieden – andere sind entsetzt. Etwa die kommunalen Stadtwerke in Pforzheim und Mühlacker, die befürchten, von den großen Energiekonzernen abgehängt zu werden. Bei den Stadtwerken will man daher an sinkende Strompreise nicht so recht glauben.

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Scharfe Kritik am Atomkompromiss üben die Stadtwerke. Der Verband Kommunaler Unternehmen, der rund 8000 Stadtwerke in Deutschland vertritt, fordert einen finanziellen Ausgleich für mögliche Milliardenschäden durch die längeren AKW-Laufzeiten. Viele Stadtwerke haben vor dem Hintergrund des bislang geltenden Atomausstiegs kräftig in erneuerbare Energien investiert.

Kommen jetzt höhere Strompreise auf uns zu?

So betreiben die Stadtwerke Mühlacker eine der innovativsten Biomethan-Anlagen in Deutschland und investieren in Wasserkraft und Sonnenenergie. Beteiligen werden sie sich an einem großen Windpark in der Nordsee. Bei den Stadtwerken Pforzheim setzt man verstärkt auf Kraft-Wärme-Kopplung, Biomasse- und Blockheizkraftwerke.

Den jetzt vereinbarten Ausstieg aus dem Ausstieg kommentiert Jürgen Meeh, Geschäftsführer der Stadtwerke Mühlacker, so: „Es ist schon interessant, dass sich die vier großen Stromkonzerne praktisch ein Gesetz kaufen konnten. Sie haben gegenüber kleineren Unternehmen wie den Stadtwerken einen klaren Wettbewerbsvorteil.“

Gewünscht hätte er sich, dass die Energieriesen Eon, RWE, EnBW und Vattenfall einen größeren Teil ihrer Gewinne hätten abschöpfen müssen. Die Atomindustrie soll nach Regierungsangaben langfristig bis zu 15 Milliarden Euro für einen Fonds zum Ausbau erneuerbarer Energien beisteuern und zwischen 2011 und 2016 jährlich 2,3 Milliarden Euro Atomsteuer zahlen.

Auch Sonja Kirschner, Sprecherin der Stadtwerke Pforzheim, sieht Probleme auf die Mittelständler am Energiemarkt zukommen: „Die großen Konzerne schöpfen die Gewinne ab und werden sie in den Markt zurückspielen. Wir partizipieren nicht.“ Dass EnBW deshalb die Bezugspreise für die 35 Prozent Atomstrom-Anteil, den die Stadtwerke an gewerbliche Kunden verkaufen, senkt, kann sie sich nicht vorstellen.Und dass am Ende die Kunden durch sinkende Strompreise von der Laufzeiten-Verlängerung profitieren, bezweifelt sie: „Da wäre ich vorsichtig.“

Im Gegenteil: „Die Strompreise werden sich wegen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes allgemein erhöhen“, so Meeh. Kernpunkt des Gesetzes: Privatverbraucher subventionieren mit so genannten Einspeisevergütungen alternative Energietechnologien. Derzeit sind das 2,5 Cent pro Kilowattstunde. Meeh wie auch Kirschner gehen davon aus, dass diese Gebühr steigen wird, auch weil die großen Stromkonzerne nicht stärker zur Kasse gebeten werden.

Auch andere laufen Sturm, denn die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken ist nur ein Teil der Regierungspläne. Die sehen etwa vor, dass Hauseigentümer ihre Gebäude sanieren müssen. Spätestens 2050 soll es nur noch sogenannte „Nullemissionshäuser“ geben. Der Branchenverband „Haus & Grund“ beziffert die Kosten einer solchen Sanierung für ein in den 70ern gebautes Einfamilienhaus auf 140.000 Euro.

Autor: Angelika Wohlfrom

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Leserkommentare (81)

Mehr Kommentare
1
Michele | 07.09.2010 | 23:05

Es kam heute in den Nachrichten: Die Stadtwerke wehren sich gegen den billigen Atomstrom, weil sie sonst ihren teueren Alternativ-Strom nicht los werden. Also muss man doch für die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke dankbar sein. Ich denke ab und zu diese Atomkraftgegner wollen aus dem Industrieland Deutschland aus ideologischen Gründen ein Dritte-Welt-Land machen. Und nur wegen ihrer Ideologie wird der Strompreis sich verdoppeln oder gar verdreifachen. Da kann ich nur ...... mehr...

2
janmg | 07.09.2010 | 23:17

Und was ist mit der Industrie in Deutschland die von Regenerativen Energieen lebt und da sogar teilweise Weltmarktführer ist? Mit dem Ausstieg war Druck da diese Energieversorgung voran zu treiben wovon auch der Wirtschaftsstandort Deutschland profitiert. Jetzt ist dieser Druck weg und somit auch etwas Bedarf für diese Anlagen, was kostet dieser Ausstieg vom Ausstieg an Arbeitsplätzen in Forschung und Produktion. Und ist es nicht besser sich jetzt schon zu rüsten für die Energieversorgung von ...... mehr...

3
LeLion_de | 08.09.2010 | 08:03

Was mich am meisten dabei stört ist diese Hinterzimmerpolitik weniger mächtiger Konzernchefs mit der Kanzlerin am Willen der Bevölkerung vorbei... Mag sein, dass alternativ erzeugte Energie vordergründig etwas teurer ist, aber die dezentrale Erzeugung mit hoch effektiven Kraftwerken und Wind- und Solarenergie ist der richtige Weg. Die Kosten für die sogenannte Endlagerung sind noch überhaupt nicht abschätzbar, kein Endlager in Sicht, Gutachten werden geschönigt und mal ehrlich wer möchte den ...... mehr...

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