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Einen anregenden Abend anlässlich des Deutschen Hospiztages gestalteten die Schauspielerin Petra Afonin und die Pianistin Susanne Hinkelbein.  Molnar
Einen anregenden Abend anlässlich des Deutschen Hospiztages gestalteten die Schauspielerin Petra Afonin und die Pianistin Susanne Hinkelbein. Molnar
16.10.2016

Theater-Chanson-Abend zum Deutschen Hospiztag im Osterfeld

„Du ruinierst Dich. Du bist nur noch ein Arbeitstier. Du musst auch mal an Dich denken.“ Solche Sätze bekommen oft Helfer zu hören, die sich in der Hospizarbeit engagieren oder die eigene Mutter zu Hause pflegen. Doch nicht nur solche: „Wann kommst Du wieder? Wann rufst Du wieder an? Ich bekomme nie Besuch“, lautet das Klagen auf der anderen Seite, die leisen Hilferufe der Pflegebedürftigen.

Dass die Helfer häufig zwischen den Stühlen sitzen und unter dem „Helfersyndrom“ leiden, das weiß auch Petra Afonin. Die freischaffende Schauspielerin aus Tübingen hat viele Hospizdienste kennengelernt und lange recherchiert – für ihr 2015 erstmals aufgeführtes Theater-Chanson-Programm „Es ist nie genug – sterben, begleiten, zurückbleiben“. Anlässlich des Deutschen Hospiztages brachte sie dieses – zusammen mit Susanne Hinkelbein am Klavier – auf die Bühne des Kulturhauses Osterfeld.

Dabei sprach sie nicht nur die Lebenssattheit älterer Menschen nach einem erfüllten Leben an, sondern auch die Gesundheitspolitik und den Ruf von „Seniorenresidenzen“ – bisher auch Altenheime genannt.

Eine Note Humor

Zeitweilig richtete sich Afonin direkt an die Zuschauer, von denen viele in Hospizdiensten in Pforzheim und Enzkreis tätig sind – mit Fragen wie: Woher bemerken Sie an sich selbst, dass Sie alt sind? Kennen Sie Menschen, die sich mit ihren Eltern nicht verstehen? Wie sieht Begleitung dann aus? „Es wurden viele Themen auf- gegriffen, mit denen wir immer wieder zu tun haben“, bedankte sich Regina Mandel, Vorsitzende des Ambulanten Hospizdienstes Pforzheim, nach dem eindrucksvollen Abend. Trotz der Ernsthaftigkeit, von denen viele Lieder, vorgelesene Briefe oder auch „Das Märchen vom Lebensabend“ handelten, schwang auch eine Note Humor mit. So zum Beispiel bei dem Medley über „Das singende Poesiealbum“ oder bei dem Bürokratie-Lied „Der MDK“, bei dem Afonin eine Reihe von Fragen zur Pflegestufe auflistete.

Doch es gab auch Momente, die berührten und nachdenklich machten, etwa bei dem frei nach Jacques Brel gedichteten Chanson „Ein Adieu an ein viel zu kurzes Leben“. Einfühlsam begleitet wurde Afonin von der Pianistin Hinkelbein, die die Texte vertont hat. „Ich hätte gern 100 Gramm Zuversicht, ein Schälchen Selbstbestimmung und eine große Portion Würde“, gab die 61-jährige Schauspielerin, die mit 40 angefangen hat, sich mit dem Älterwerden und Sterben auseinanderzusetzen, mit auf den Weg. Danach gab es noch Gelegenheit für Gespräche.