

In Schwarz gekleidet und den blau-gemusterten Paschmina-Schal, der sowohl vor der Kälte schützt, als auch einen modischen Akzent setzt, umgebunden, schreitet Edith Drescher, Schulleiterin des Hilda-Gymnasiums, voraus in Richtung des fast fertiggestellten Neubaus. Die Stöckelschuhe klacken auf dem kalten Betonboden, wenn die schick gekleidete Frau den Pfützen ausweicht.
So richtig passt die 50-Jährige optisch nicht auf eine Baustelle. Doch dieser Eindruck täuscht. Selbstbewusst und mit strammen Schritten läuft sie an einem Bauzaun vorbei, grüßt schnell einen Bauarbeiter und er warnt noch an einer Stelle: „Vorsicht! Da könnte es etwas rutschig sein“, bevor der Weg schließlich in das Gebäude führt. Schnell wird klar, hier wird nichts dem Zufall überlassen. „Ab und zu komme ich hier vorbei und schaue mir alles genau an“, sagt Drescher, der das Lächeln sichtlich einfach fällt, wenn sie durch die modernen Gänge der zukünftigen Bildungsstätte läuft.
Auf der einen Seite Glas, auf der anderen Klinker. Wenn zur Faschingszeit nächsten Jahres die über 900 Schüler und 70 Lehrkräfte in das neue Haus ziehen, muss es, so will es die Chefin, komplett fertiggestellt und eingerichtet sein. „Ein Provisorium wollen wir hier nicht.“ Stolz stellt sie ihr zukünftiges Büro im ersten Stock vor, von wo aus man einen guten Blick auf den Innenhof erhaschen kann.
Zudem bekommt das neue „Hilda“ ein deutlich geräumigeres Lehrerzimmer, in dem dann auch alle Lehrer gemeinsam Platz haben werden. Derzeit sind die Studienräte auf zwei Räume verteilt, was den Platzmangel allerdings nicht lindert.
Aber auch allgemein soll das neue Schulhaus viel geräumiger werden und mehr Platz für Schüler bieten, wodurch dann auch die angemieteten Klassenräume in der ehemaligen Goethe-Galerie und dem VolksbankHaus zur Freude der zumeist älteren Schüler wegfallen werden. Ebenfalls gibt es noch Räume im neuen Schulhaus, deren Verwendungszweck noch nicht genau feststeht und gemeinsam mit den Schülern überlegt werden soll. Die Schulleiterin könne sich allerdings einen „Ruheraum“ vorstellen, in welchen sich gestresste Schüler für eine Weile zurückziehen könnten.
Aus pädagogischen Gründen will sie die Schülerschaft an der Planung und dem Umzug beteiligen. „Die Schüler sollen den Umzug ganz bewusst miterleben“, erklärt sie. Ältere Schüler sollen zum Beispiel gemeinsam mit den Lehrern unbrauchbare Unterrichtsmaterialien entsorgen und brauchbare sicher verpacken.„Ich möchte nicht, dass die Schüler zu Beginn der Ferien das eine Schulhaus verlassen und wenn die Schule wieder losgeht, das andere betreten, als sei nichts gewesen“, erklärt sie weiter.
Auf die Frage, worauf sie am meisten gespannt ist, ist sie zunächst ratlos. Ein paar Punkte nennt sie dann doch noch. Sehr glücklich sei sie über die große, mit Tageslicht durchflutete Bibliothek und die Mensa, die eine gesunde Alternative zu den Schnellrestaurants in der Stadt bieten soll. Zudem freue sie sich jetzt schon auf die Konzerte und Theateraufführungen, für die das Foyer das nötige Ambiente bietet.
Für das nötige Flair soll nicht nur die Architektur des neuen Schulhauses sorgen. Auch ein paar echte Kunstschätze, die sich über die letzten 100 Jahre angesammelt haben, sollen beim Umzug nicht vergessen werden. Ein Fries des ehemaligen Hilda-Schülers René Dantes, welches derzeit den Musiksaal des Gymnasiums ziert, soll ebenso wie mehrere Brunnen im Jugendstil die bereits seit den frühen 50er Jahren das Schulhaus verschönern, mitgenommen werden. Neben den alten Kunstwerken, sollen nach Dreschers Wunsch zahlreiche neue entstehen.
Für die Gestaltung des Pausenhofs zum Beispiel gibt es auch schon Ideen. „Ich könnte mir einen Skulpturengarten sehr gut vorstellen. Die Schüler könnten gemeinsam mit ihren Kunstlehrern verschiedene Figuren kreieren, die man dann auf dem Pausenhof ausstellen könnte“, sagt die Direktorin.
Dies wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Pausenhof auf dem Dach der geplanten Sporthalle seinen Platz finden wird. Diese wird auf das Grundstück des alten Schulgebäudes, welches erst abgerissen werden muss, gebaut.
Für das Ende des alten Schulhauses hat sie auch bereits einen Plan, den sie noch mit den SMV-Vertretern besprechen will: „Man könnte sich mit einer großen Party vom alten Schulhaus verabschieden.“ Das werden sicher auch die Schüler gerne hören, bevor erneut die Bagger und Kräne anrücken, um die alte Schule in eine riesige Sporthalle zu verwandeln. Wenn die Abrissbirnen anrollen, wolle sie allerdings nicht dabei sei.
Autor: Nezih Payzin





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