





Ein kalligrafischer Lapsus im Schriftzug auf der von vielen Bürgern als unschön und unnötig empfundenen Lärmschutzwand hat jüngst für Schlagzeilen gesorgt. Das „m“ mit den drei Bögen im Wort „Gymnasium“ scheint aber ein vergleichsweise kleiner Fisch zu sein.
Nach PZ-Informationen gibt es an dem neuen Hilda-Gymnasium an der Kiehnlestraße, das ab kommender Woche wieder Schüler mit Beschlag belegen, noch mehrere offene Baustellen. Gespräche mit Arbeitern vor Ort und mit einem Remchinger Experten ergeben ein bedenkliches Bild.
Mängel in der Kommunikation seien bei solchen, von Generalunternehmern geführten Bauprojekten an der Tagesordnung, berichten die Handwerker. Schließlich arbeiteten allein an der vom Volksmund bereits „The Wall“ genannten Wand Handwerksbetriebe aus Ludwigsburg, Mainz, dem Westerwald und Nordrhein-Westfalen. Weite Wege, Zeit- und Kostendruck: „Es gibt Schnittstellen, da passt es nie“, heißt es vor Ort.
Dass inzwischen nicht nur die Vertäfelung abgehängt, sondern zwischenzeitlich große Teile der Wandverkleidung entfernt worden sind, hat offenbar gravierende Gründe. Beim Bau der Stahlfüße, die die Wand tragen, sei das leichte Gefälle des Schulhofs nicht berücksichtigt worden. Die Folge: „The Wall“ stand nicht „im Wasser“, also leicht schief. Die beauftragte Firma habe die Stützen zunächst mit rostanfälligem Schwarzstahl unterlegt und diesen dann mit einer Schutzschicht umhüllt – allerdings ohne den Segen der Bauleitung einzuholen. Diese habe auf das Anbringen einer weiteren kostspieligen Beschichtung bestanden. Der Subunternehmer, heißt es an der Baustelle, werde wegen der Auflagen an diesem Auftrag nichts verdienen.
Auch von einer Kostenexplosion bei den Bodensteinen im Innenhof ist vor Ort die Rede. Diese müssten wegen der Tiefgarage darunter wesentlich dicker sein als zunächst beabsichtigt, um eine höhere Tragkraft zu erreichen.
Auch in der Tiefgarage selbst gebe es Mängel. Die Betondecke habe einem ersten Test nicht standgehalten. Ein Stoß mit einem Stock habe ausgereicht, um Beton zu lösen. Tatsächlich gibt es im hinteren Bereich der Garage eine nur notdürftig überstrichene Delle in der Decke. Kritische Stimmen sind aus der Lehrerschaft zu hören. Es wird bemängelt, dass die Jalousien nicht individuell bedient werden können, sondern sich automatisch bewegen.
Weiteres Ungemach droht bei den Fenstern. Hans Trautz, Geschäftsführer des Remchinger Unternehmens S&T Components, hatte bereits vor Wochen auf mögliche Mängel hingewiesen und hat seine unerfreulichen Einschätzungen inzwischen konkretisiert. Mehrere Seiten sowie Fotos umfasst der Bericht, der der PZ vorliegt und den Trautz der Stadtverwaltung sowie den Mitgliedern des Gemeinderats zugesandt hat. Der Pforzheimer ist vom Fach: Seine Firma stellt Eck-Verbinder für Fenster her. Nach seinen Recherchen wurden Fenster von fünf verschiedenen Herstellern ins Hilda eingebaut. Für mehrere der Fabrikate lägen keine Prüfzeugnisse vor, obwohl sie entsprechende Kennzeichnungen aufwiesen. Trautz wittert Betrug. Es sei zu befürchten, dass das Gas zwischen den jeweils zwei Scheiben eines Fensters zu schnell entweiche.
In wenigen Jahren schon würden deshalb die Heizkosten dramatisch steigen. Weitere Auffälligkeiten hat der Unternehmer im Bild festgehalten. Dichtungen seien unsauber angebracht oder lägen nicht an. Beschädigte Abstandhalter sorgten für undichte Stellen, Schmutz befinde sich im Zwischenraum der Isolierglasscheibe. An Ort und Stelle nachgebessert werden könnten diese Schäden nicht. Die Fenster müssten raus und neu gefertigt werden.
Baubürgermeister Alexander Uhlig zeigt sich von der Summe der mutmaßlichen Mängel überrascht. Schlicht „schiefgelaufen“ sei etwas bei der Inschrift der Wandvertäfelung. Er habe deshalb sofort veranlasst, dass diese wieder entfernt wurde: „Das muss bereinigt werden.“ In einem Gespräch mit Hans Trautz habe er die möglichen Schäden an den Fenstern erörtert. Inzwischen sei ein Gutachter mit der Untersuchung beauftragt: „Das wäre ein Baumangel“, sagt Uhlig, „das wollen wir wissen.“ Die Jalousie-Steuerung könne erst im laufenden Betrieb nachjustiert werden.
Den weiteren Mängelmeldungen, die ihm bislang noch nicht zugetragen worden seien, will er möglichst rasch nachgehen. Der Baubürgermeister hält fest: „Wir bezahlen nur das, was wir bestellt haben.“
Autor: Claudius Erb | Pforzheim






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Leserkommentare (12)
Mehr KommentareDass "viele Köche den Brei verderben" , ist ja nichts Neues. mehr...
Wenn ich all das lese, fällt mir nur noch eines ein: Geiz ist Keil Der Keil nämlich, der unsere Gesellschaft immer mehr spaltet... Wo ist eigentlich das gute alte Wertkennzeichen "Made in Germany" hin? Warum wird auf solchen Profilierungsbaustellen so massiv geschludert? Mir fällt dazu nicht mehr viel ein. Das scheint mir ein weiteres Symptom des zunehmenden Werteverfalls in unserer Gesellschaft zu sein. Denn auch sorgfältiges, ordentliches Arbeiten ist ein Wert, eine Tugend. Einen guten ...... mehr...
Irgendwo muss sich ja der lokale Anarchomanipulismus auch sichtbar auswirken. Das Problem mit den Fenstern ist schon seit Wochen bekannt. Weshalb wurde unser Baubürgermeister nicht schon mit Gutachter etc. aktiv? mehr...