

PFORZHEIM. 32 Jugendliche sind 2008 mit einer Alkoholvergiftung ins Klinkum Pforzheim eingeliefert worden. „Das ist leider nur die Spitze des Eisberges“, sagte Dr. Hans-Ludwig Reiter, als er die Zahlen am Dienstag bekannt gab.
Schließlich, so der Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche weiter, werde nicht jeder Volltrunkene gleich in ärztliche Obhut, sondern zumeist von Freunden nach Hause gebracht. Anders die zwölf- bis 17-jährigen Mädchen und Jungen, die 2008 aufgrund übermäßigen Alkoholmissbrauchs auf der Intensivstation des Klinikums landen. Hier werden die Jugendlichen medizinisch erstversorgt, der Kreislauf stabilisiert sowie anschließend auf der Kinderstation untergebracht und die Eltern informiert: „Für die meisten Mädchen und Jungen ist vor allem das Erwachen ziemlich peinlich“, beschreibt Reiter die Situation, wenn sich die Heranwachsenden in einer großen Windel gewickelt wiederfinden.
„Da derartige Fälle zumeist am Wochenende passieren, versuche ich so zeitnah wie möglich Kontakt mit den betroffenen Familien aufzunehmen“, sagt Gudrun Pelzer vom Netzwerk looping mit Blick auf das „Projekt 13 – Eltern mit suchtgefährdeten Kindern und Jugendlichen – Alkohol- und Nikotinprävention“. Seit zwei Jahren nutzt die Kommunale Beauftragte für Suchtprävention Enzkreis und Stadt Pforzheim die Kooperation mit dem Klinikum Pforzheim als Möglichkeit für anonyme Beratungen. „Sechs von zehn Familien nehmen dieses Angebot an“, so Pelzer, die im gemeinsamen Gespräch nach der Ursache des Alkoholmissbrauchs sucht und Konsequenzen für die Zukunft aufdeckt.
„Die Jugendlichen in ihren Familien an die Hand nehmen, damit der Vorfall ein einmaliger Unfall bleibt“, will die Suchtbeauftragte. „Leider sind viele Eltern sehr schlechte Vorbilder“, ergänzt Reiter, denn auch der Alkoholkonsum von Erwachsenen sei in den vergangenen Jahren enorm angestiegen.
„Weil die Wirkung von Spirituosen unterschätzt und bis zur Bewusstlosigkeit getrunken wird“, beschreibt der Chefarzt die körperlichen und seelischen Schäden, die vor allem im frühen Jugendalter nachhaltige Folgen tragen können. Um so mehr erhoffen sich Reiter und Gudrun Pelzer, dass die Kooperation im Rahmen des von der Landesstiftung Baden-Württemberg initiierten Projektes fortgesetzt werden kann.
Autor: michael block





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