
PFORZHEIM/MÜHLACKER. Dass die Zahl der Taschendiebstähle im vergangenen Jahr deutlich zurückging (von 229 auf 161), ist unter anderem auf ein Ereignis zurückzuführen, das beinahe in eine Katastrophe gemündet wäre, aber ein Happy End fand.
Rückblende: In Absprache mit der Sparkassenfiliale Dürrmenz betreten im Juli 2004 vier junge Männer mit Masken und etwas in den Händen, das aussieht wie Maschinenpistolen, die Schalterhalle. Ein aufmerksamer Nachbar interpretiert das als Überfall und alarmiert die Polizei. Er löst damit einen Großeinsatz aus: Über zwei Dutzend Streifenwagen – auch die Polizeidirektion Ludwigsburg ist eingebunden – rast nach Dürrmenz. Der „Tatort“ wird weiträumig abgesperrt, eine Großfahndung eingeleitet. Die mutmaßlichen Gangster verlassen die Bank. Sofort sehen sie sich von Polizisten mit entsicherter Waffe umringt, an die Wand gestellt und durchsucht.
Wie sich herausstellt, sind es keine Kriminellen, sondern Studenten der Hochschule Pforzheim. Was sie vorhatten, war ein ungewöhnliches Video, um für Bohrmaschinen zu werben. „Guerilla-Marketing“ nennt man das. Nur dumm, dass die Polizei weder von der Hochschule noch vom Geldinstitut im Vorfeld informiert worden ist. Den Studenten schlottern die Knie – wie schnell hätte sich ein Schuss lösen können. Das Rektorat trifft sich zur Krisensitzung. Ein Privatsender lockt mit hohen Geldbeträgen, will an die Namen der Studenten kommen – ohne Erfolg. Die Hochschule hält dicht, nimmt ihre Fürsorgepflicht wahr.
Ein juristisches Nachspiel hat der Vorfall ebenso wenig wie finanzielle Folgen. Es soll eine Wiedergutmachung der besonderen Art werden. Darauf einigen sich Sparkasse, Hochschulleitung und Polizei. Die Kreativen sollen sich eine Kampagne einfallen lassen, wie man öffentlichkeitswirksam dem Taschendiebstahl begegnen kann. Mit der Zeit verraucht die Aufregung – dafür rauchen nun die Köpfe. Mehrere Kampagnen reifen im Studiengang Visuelle Kommunikation, werden einer Jury vorgestellt. In der Folge liegen Faltblätter aus, die Presse berichtet, in der City werden Orte markiert, an denen statistisch gesehen die meisten Diebstähle passieren – in der Fußgängerzone, vor der Schlössle-Galerie, an den Bushaltestellen am Leopoldplatz. Tatsächlich wird weniger geklaut. „So gesehen“, so Polizeichef Holger Trunk, hat der ,Überfall’ im Nachhinein doch noch etwas Gutes gehabt.“
Autor: Olaf Lorch





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