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15.04.2011

Vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen

PFORZHEIM. Vom Vorwurf der Vergewaltigung wurde ein 63-jähriger Pforzheimer freigesprochen, der sich im März 2010 an einer 55-jährigen Frau vergangen haben soll.

„Zu viele Zweifel“, begründet Richter Eric Werner das Urteil der Auswärtigen Großen Strafkammer des Landgerichts Karlsruhe. Selbst beim Schildern des Kerngeschehens, so der Richter bei der recht problematischen Aussageanalyse des mutmaßlichen Opfers, mussten mehrere Unstimmigkeiten festgestellt werden. Demgegenüber habe der Angeklagte das Geschehen um den seiner Meinung nach einvernehmlichen Geschlechtsverkehr nahezu schlüssig geschildert. Oberstaatsanwältin Gabriele Gugau hatte den Mann angeklagt, die 55-jährige Frau nach einer Wohnungsbesichtigung im Kellerraum zu sexuellen Handlungen genötigt zu haben. Gugau sah es auch nach der Hauptverhandlung als erwiesen an, dass sich der Angeklagte unter Gewaltanwendung an der Geschädigten vergangen hat.

Schließlich habe die Frau einige Verletzungen erlitten und darüber hinaus auch keinerlei Grund für eine Falschbeschuldigung. Während des gesamten Strafprozesses, so die Oberstaatsanwältin, habe der Angeklagte versucht, das Opfer als volltrunkene Prostituierte darzustellen. „Eine verwerfliche schwere Straftat“, beschreibt Gabriele Gugau die Vergewaltigung und forderte für den Angeklagten eine Freiheitsstrafe von drei Jahren. „Viele objektive Widersprüche“, plädierte hingegen der verteidigende Rechtsanwalt Michael Schilpp auf Freispruch. Auf den erkannte auch Richter Werner, der der Frau zwar keine bewusste Falschbelastung vorwarf. „Aber sie haben ihren jahrelangen Alkoholmissbrauch eben nicht, wie selbst behauptet, im Griff“, so der Richter.


So hatten selbst die Polizisten bei der Anzeigenerstattung keinerlei Auffälligkeiten beobachtet, obwohl die Frau, wie während der Aussage ermittelt, einen Blutalkoholgehalt von über 2,5 Promille aufweisen konnte. Recht ungewöhnlich sei auch die Tatsache, dass ein Vergewaltigungsopfer die gleiche Kleidung wie bei dem Missbrauch auch am Folgetag trägt. Außerdem hatte die als Nebenklägerin auftretende Frau bei der Hauptverhandlung zum ersten Mal Schmerzen als Ursache für ihr unsicheres Auftreten angegeben. Und nach dem sexuellen Übergriff war sie nicht etwa weggelaufen, sondern hatte sich von ihrem angeblichen Peiniger in dessen Auto nach Hause fahren lassen.