

Als Kirsten Berger die Tierpsychologin um Hilfe bittet, ist sie mit ihrem Wissen am Ende. Immer wieder habe sich ihre Hündin Marlena vor anderen Menschen so sehr gefürchtet, dass sie aggressiv geworden sei. Marlena ist ein Mix aus Herdenschutzhund und Galgo-Windhund, die ihre zierliche Besitzerin über einen Tierschutzverein aufgenommen hat. „Das sind Tiere, die ihr Herrchen ständig bewachen wollen“, erklärt die Tierpsychologin Christel Löffler aus Keltern. Nachdem das Problem durch das Training nach wenigen Stunden beseitigt war, ging es beiden darum, die insgesamt vier Windhunde dazu zu bekommen, dauerhaft vom Jagen im Wald abzulassen. „Ich kann inzwischen mit meinen Hunden an jedem Reh vorbeimarschieren,“ sagt Berger zufrieden.
Aber auch das muss das Windhund-Rudel können: Ein gesitteter Spaziergang mit Frauchen übers Pforzheimer OechsleFestival. Zwischen Buden und Menschen auf Sitzgarnituren bewegen sich an diesem Nachmittag fünf Hundebesitzer mit ihren Tieren. Hundetrainerin Löffler gibt Tipps, korrigiert und lobt. Sie ermuntert die Teilnehmer, klar und konsequent zu sein, damit der Hund seinen Platz in der Gruppe erkennt und begreift: „Du darfst alles, wenn ich es dir erlaube.“ Die ein Jahre alte Labradorhündin „Bärle“ lernt, nicht auf jeden Artgenossen begeistert zuzulaufen. Der blitzgescheite Parson Russel Terrier „Nobody“ begreift beim zweiten Mal, dass er die Leckerlis auf dem Boden nur dann fressen darf, wenn es Frauchen Claudia Seemann erlaubt. Sie ist Züchterin und weiß, dass sie das quirrlige Tier fordern muss. Dabei gehe es nie nur um Dressur, sagt Löffler. Sondern vor allem um Beziehungsarbeit. Zu schauen, wie die eigene Persönlichkeit aussieht und welcher Typ Hund zu einem passe, sei die Vorrausetzung für ein gutes Einvernehmen. Christa Deger hat den Appenzeller-Mix „Balou“ souverän an ihrer Seite. Sie sah den zotteligen Tausendsassa das erste Mal auf einem Bauernhof, „da war es sofort um mich geschehen.“ Verständlich sei dieses Vorgehen, aber nicht empfehlenswert, sagt Löffler. Denn schnell merkte Deger, dass der Hütehund zu groß und zu dominant für sie war. Mit Hilfe von Christel Löffler hat sie „Balou“ jetzt gut im Griff.
Auch, als Claudia Seemann mit ihrem Terrier und dem Futterbeutel zu spielen beginnt. Alle anderen Hunde müssen im Kreis bei Fuß gehen und zuschauen. Auch der Labradorrüde Peppone versteht die Lektion. „Es ist wie in der Schule: Während einer schon spielen darf, müssen die anderen Kinder noch Hausaufgaben erledigen,“ sagt Löffler.
Oftmals spiegele die Macke des Hundes den schwelenden Konflikt innerhalb einer Familie. Ein Hund, der immer wieder einen Ehemann biss, tat dies stellvertretend für die enttäuschte Ehefrau, erinnert sich die Tierpsychologin. Das wurde Löffler klar, als sie bei der Familie das erste Mal zu Hause war. Sie schliefen in getrennten Betten.Martina Schaefer





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