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Dank-Geschenke aus Afrika  hat der Eutinger Bauingenieur Matthias Klingel von befreundeten Projektteilnehmern aus Boguila mitgebracht.
Dank-Geschenke aus Afrika hat der Eutinger Bauingenieur Matthias Klingel von befreundeten Projektteilnehmern aus Boguila mitgebracht.

Wasser wieder zum Laufen gebracht

Zurückgekehrt aus der Stadt Boguila (Zentralafrikanische Republik, 70 Kilometer südlich an der Grenze zum Tschad), hat der Eutinger Bauingenieur Matthias Klingel (36) viele Erkenntnisse gewonnen, die seinen Horizont erweiterten.

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Als freiwilliger Helfer der Organisation „Ärzte ohne Grenzen“ war der frühere Karl-Friedrich-Grundschüler und Kepler-Gymnasiast sieben Monate lang in einem bürgerkriegsgeplagten Gebiet damit beschäftigt, die nicht mehr intakte Wasser- und Abwassersituation in einem Krankenhaus wieder herzustellen.

„In dem Krankenhaus mit 90 Betten in Boguila, das in den 50er- Jahren von einer amerikanischen Mission gebaut worden war, das damals sogar funktionierende Duschen hatte, lief bei meiner Ankunft kein einziger Wasserhahn mehr“, erinnert sich der ehemalige Zivildienstleistende im Berufsförderungswerk Schömberg. 20 Frauen aus dem Ort hätten in 20-Liter-Kanistern Wasser aus einem 600 Meter entfernten Brunnen geholt und einmal wöchentlich ins Krankenhaus transportiert, das heute von den „Ärzten ohne Grenzen“ betrieben wird. Da dies sehr umständlich gewesen sei, habe er zusammen mit weiteren Helfern neue Wasserleitungen verlegt und einen löchrigen Beton-Wasserturm wieder instand gesetzt.

Gute Ausbildung als Grundlage

Dabei kam ihm seine Ausbildung von 1992 bis 1996 als Bauingenieur mit Vertiefungsrichtung Verkehrswesen und Siedlungswasserwirtschaft an der TH Karlsruhe ebenso gelegen, wie sein Aufenthalt an der Ecole Nationale en Génie de l’Eau et de l ’Environnement in Straßburg. Klingel wurde promoviert am Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Universität Karlsruhe und am Institut für Umweltbiotechnologie der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne. Sein Thema: „Prozess-Simulation in der Abwasser- und Abfallbehandlung“.

Nach der Theorie folgte die Praxis in Afrika. Aber zuvor war er noch in Stuttgart in der Rohr- und Kanalnetzplanung sowie der Bauüberwachung eingesetzt. In ein Handbohrverfahren zur Trinkwassergewinnung wurde er in Madagaskar von April bis August 2006 eingeführt, worüber die PZ damals berichtet hat.

Danach war er Projektleiter Abwassertechnik und Erschließung in einem Ingenieurbüro in Hügelsheim, bevor er für die Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“ in der Zentralafrikanischen Republik als Projektleiter eingesetzt worden war.

Klingel fuhr selbst in die Hauptstadt Bangui an der kongolesischen Grenze, um Wasserleitungsrohre, Abwasserrohre, Zement und Armaturen zu bestellen. Die Materialien wurden dann mit einem Lastwagen zu den „Ärzten ohne Grenzen“ nach Boguila gefahren. Die Stadt hat rund 20 000 Einwohner, „ist aber wie ein großes Dorf“, so Klingel.

Vegetarier stellt sich um

In der Landeszentrale der Hilfsorganisation, in Bangui, wurden vier Hilfsprojekte in Angriff genommen – in einem davon war Klingel eingesetzt. Er lernte sogar noch einheimische Mitarbeiter an, damit sie die jetzt funktionierende Wasserleitung möglichst lange erhalten können.

„Vom Land habe ich in diesen sieben Monaten relativ wenig gesehen. Ich besuchte einige Male sonntags den Markt oder nahm am französischsprachigen Gottesdienst teil“, schildert der Eutinger sein Freizeitvergnügen in Afrika. Auch beim Essen musste sich der Vegetarier umstellen. „Fleischloses Essen war nicht immer einzuhalten. Es gab Schwein, Ziege, Antilope, meist mit Maniok, ein Wurzelgemüse, bei dem man auch die Blätter mitisst“, erinnert er sich. Eine Boa, die wie Fisch schmecke, habe er aber nur gekostet.

„Es war für mich sehr bereichernd, zu sehen, wie Leute in einem anderen Erd- und Kulturteil leben, was für sie wichtig ist und wie sie denken und handeln“, so Klingel, der inzwischen wieder in einem Ingenieurbüro in Hildesheim arbeitet. Seine Mutter, eine treue Leserin der PZ, lebt aber noch an der Fritz-Neuert-Straße in Eutingen, wo sie ganz stolz auf ihren Sohn ist, der Menschen in Afrika geholfen hat.

„Auch ich habe Stolz empfunden, in einem Land leben zu dürfen, wo es einen funktionierenden Staat gibt, der für seine Menschen Leistungen erbringt. Er baut für sie Schulen und Krankenhäuser, teert Straßen, die nachts mit Laternen beleuchtet werden“, sagt er und denkt an Afrika zurück, wo all dies selbst im Jahr 2008 noch nicht selbstverständlich ist.Roger Rosendahl

29.05.2008
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