



PFORZHEIM/ENZKREIS. Nach wie vor reichen die Parkplätze für Brummi-Fahrer entlang der Autobahn nicht aus. Dadurch werden notgedrungen Lenkzeiten überschritten – und bei Kontrollen sind die Fahrer die Dummen. Meistens jedenfalls.
Fast auf den Monat genau vor vier Jahren machte sich das PZ-Team schon einmal auf die Spurensuche auf dem Parkplatz der Autobahnraststätte Pforzheim. Seither ist der damalige Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee eine Fußnote der Geschichte, aber sein Versprechen ist im Raum: Es sollen bundesweit 14 000 zusätzliche Stellplätze für Lastwagen geschaffen werden. Denn bekanntlich gibt es Lenkzeitbeschränkungen – aber nicht jeder Trucker, der ordnungsgemäß sein Gefährt abstellen will, bekommt einen Platz.
Notgedrungen fährt er weiter – doch sowohl die alte Tachoscheibe als auch der digitale Fahrtenschreiber sind unerbittlich: Kontrolliert die Polizei die Fahrer, bedarf es schon überzeugender Argumente, um an einem Strafzettel vorbei zu schrammen, der durchaus im dreistelligen Bereich liegen kann.
Zwar wurden im Mai vergangenen Jahres 36 zusätzliche Stellplätze an den A 8-Parkplätzen Birkenwäldle (Höhe Stupferich) und Steinig (Höhe Karlsbad) neu geschaffen. 700 000 Euro kostete das.
Doch die knapp 100 Stellplätze zwischen dem Dreieck Karlsruhe und Heimsheim sind nur die Hälfte dessen, was nach Expertensicht nötig wäre. Entsprechend stehen die Lkw-Fahrer auf Verzögerungs- und Beschleunigungsstreifen – und die Ordnungshüter drücken bisweilen beide Augen zu. Das war damals nicht anders als heute.
„Es ist tatsächlich etwas besser geworden, was die Parkplatz-Situation betrifft“, sagt Ralf Lehmann, „doch es reicht bei weitem nicht.“ Seit 18 Jahren sitzt er auf dem Bock, fährt für eine Spedition in Sachsen-Anhalt. Tiefkühlbrötchen hat er geladen, ist aus Langenau die A 7 herübergekommen, hat Stuttgart und Pforzheim beliefert; jetzt macht er ein Päuschen, ehe es weitergeht nach Talheim, dann ist Feierabend.
Schon mal kontrolliert worden? „Ja.“ Was bezahlt? „Nein.“ Es komme auf die Kulanz der kontrollierenden Autobahnpolizisten beziehungsweise des Bundesamts für Güterverkehr (BAG) an. Lehmann weiß, wann die Stunde geschlagen hat und versucht, rechtzeitig eine Rastanlage oder zumindest einen Parkplatz anzusteuern. Klappt nicht immer.
Früher, als es noch die Tachoscheiben gab, konnte er bei einer Kontrolle dem Beamten zeigen: „Ich hab’s versucht.“ Beweis: das regelmäßige Abbremsen beim Erreichen eines potenziellen Stellplatzes, das langsame, aber vergebliche Dahingleiten durch die Parkreihen. Jetzt, im digitalen Zeitalter, macht er sich vom Fahrtenschreiber Ausdrucke, verzeichnet penibel, wann er Ausschau gehalten hat. Einmal forderte ihn sein Disponent auf, durchzufahren – nur ein paar Kilometer noch müsse er durchhalten. Der Auftraggeber hätte es auf seine Kappe genommen.
Stefan Biewer fährt erst seit einem Jahr Lkw – eine Luxemburger Spedition hat dem 50-Jährigen die Chance auf einen beruflichen Neustart gegeben. „Ist schon extrem mit den Parkplätzen in Deutschland“, sagt er. Oft ist er, weil er an der Autobahn nichts mehr fand, die Ausfahrt raus und ins nächste Industriegebiet – aber auch dort war schon alles voll. Biewer: „Wieder zehn Minuten Zeit verloren.“
Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren für die Tank- und Rastanlage „Am Kämpfelbach“. Vorgesehen sind 66 Lastwagen-Parkplätze und acht Stellflächen für Busse. Das Vorhaben kostet sieben Millionen Euro.
In diesem Jahr wird ein weiteres Planfeststellungsverfahren eingeleitet, was den Ausbau der „Tank- und Rastanlage Enztal“ (am Waisenrain) angeht. Aus 16 Stellplätzen sollen 80 werden.
Autor: Olaf LOrch-Gerstenmaier





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