
Die Spannbreite sexueller Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen ist groß“, erklärt Angelika Blonski, Geschäftsleiterin der Lilith-Beratungsstelle für Mädchen und Jungen zum Schutz vor sexueller Gewalt, „Verbale Gewalt zum Zwecke gezielter Herabsetzung, Peniskneifen, Zwangsküsse, heimliche Aufnahmen in Duschen bis hin zur Vergewaltigung, das alles sind sexuelle Übergriffe.“
Und sie finden täglich statt, nicht selten werden sie verharmlost oder ignoriert. Deshalb haben der Bezirksverein für soziale Rechtspflege, die Polizeidirektion Pforzheim, die Lilith-Beratungsstelle und die Stiftung Hänsel und Gretel sich nun mit dem Ziel, die Aufmerksamkeit von Fachkräften auf diese Thematik zu lenken, zusammengeschlossen.
Gemeinsam möchten sie am 10. Februar auf einer Fachtagung im Kulturhaus Osterfeld Menschen, die mit Jugendlichen im Alter zwischen zwölf und 18 Jahren zu tun haben, sensibilisieren und ihnen konkrete Handlungsmöglichkeiten mit auf den Weg geben. Dazu führen zunächst Referate von Jutta Enz von der Kriminologischen Zentralstelle Wiesbaden und Harald Conrad, Leiter der Beratungsstelle „Neue Wege“ in Saarbrücken in das Thema ein. Anschließend werden Workshops stattfinden. Zusätzlich konnte durch die finanzielle Unterstützung der Tagung von der Stiftung Hänsel und Gretel die Theatergruppe Werkraum Karlsruhe engagiert werden, die das Thema auf ihre Art verdeutlichen wird. Bisher sind rund 75 Teilnehmer angemeldet. Obwohl die Tagung für Fachkräfte aus Pforzheim und dem Enzkreis gedacht war, gab es auch überregional reges Interesse. „Für den nordbadischen Raum befinden wir uns mit dieser Tagung in einer Pionierrolle“, sagt Rüdiger Schilling von der Polizeidirektion Pforzheim. Und es sei notwendig, die Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu lenken, denn schon alleine, wenn man die Statistik sexuellen Missbrauchs ansehe, werde deutlich, dass zwar die Taten seit Beginn der Aufzeichnungen 1953 zurück gegangen seien, aber die Täter immer jünger würden. Verantwortlich machen dafür Experten wie Schilling die Verrohung von Sprache und Umgangsformen. Jugendlichen müssten deutliche Grenzen aufgezeigt werden, ein anderes Verhalten eingefordert werden. „Prävention muss bei kleinen Übergriffen beginnen“, so Blonski.
Autor: Inga Läuter





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