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Besucherin Anna schaut und staunt, wie sich die Perspektiven verkehren im Spiegelkabinett von Stefan Pinl, der fürs Foto einen Kopfstand macht.
Besucherin Anna schaut und staunt, wie sich die Perspektiven verkehren im Spiegelkabinett von Stefan Pinl, der fürs Foto einen Kopfstand macht.
22.01.2016

Zwei junge Künstler heben in Projektraum die Realität aus den Angeln

Pforzheim. Reflexion lautet das Thema der aktuellen Veranstaltungsreihe des Vereins Leerstand als Freiraum (LAF). Und das ist bei der dritten Schau, die am Donnerstagabend im Projektraum in der Östlichen 7 eröffnet wurde, wörtlich zu nehmen. Die Besucher spiegeln sich in beweglichen Platten, die Stefan Pinl aufgehängt hat.

Fast ein wenig schwindelig kann es dem Betrachter werden in diesem wabernden Spiegelkabinett. Die Grenzen zwischen Innen und Außen verschwimmen endgültig, wenn die Fenster des ehemaligen Friseursalons in den Blick geraten und die Sicht frei wird auf die Stadt.

Eine Wunderkammer, in der Pinl für den PZ-Fotografen den Kopfstand wagt.

Seiten und Linien sind kaum zu definieren in „sides, lines“, wie Pinl und die ebenfalls in Karlsruhe studierende Kerstin Möller ihre Doppelausstellung getauft haben. LAF – dem Kollektiv von Kreativschaffenden aus Pforzheim und Karlsruhe, das sich mit urbanen Lebensräumen auseinandersetzt – ist erneut ein kleiner künstlerischer Coup gelungen. Die Schau sorgt für Aufsehen und lässt aufhorchen, und dies bereits vor der Tür.

Aus einem Lautsprecher schallen Ansagen und Aussagen, wie sie Kerstin Möller, Jahrgang 1986, an etlichen Orten in Europa aufgeschnappt hat. Die zunehmende Privatisierung von eigentlich öffentlichem Raum sorge dafür, dass nicht wahrnehmbare Schranken entstehen, erläutert die Studentin der Medienkunst im PZ-Gespräch. Diese unsichtbaren, aber dennoch unüberwindbaren Grenzen wolle sie ins Bewusstsein rufen.

Die Ausstellung „sides, lines“ ist noch bis 31. Januar donnerstags bis sonntags von 13 bis 18 Uhr an der Östlichen 7 gegenüber dem Alten Rathaus zu sehen.

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