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07.09.2008

SPD-Politiker aus Pforzheim und der Region zu den Turbulenzen in ihrer Partei

Was sagen lokale SPD-Größen zur Entwicklung an der Parteispitze? Und was sagt die Parteibasis? Die "Pforzheimer Zeitung" hat nachgefragt.

Katja Mast, SPD-Bundestagsabgeordnete, Pforzheim: Mich hat der Rücktritt von Kurt Beck überrascht. Für mich ist er aber ein Signal dafür, dass Beck volles Vertrauen in den Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier setzt. Es ist eine Entscheidung, mit der man signalisieren will, dass man Regierungspartei bleiben und Verantwortung für die Menschen übernehmen will. Steinmeier steht für Frieden, soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Stärke und für zehn Jahre SPD-Regierungsbeteiligung im Bund.

Thomas Knapp, SPD-Landtagsabgeordneter, Mühlacker: Ich bedauere den Rücktritt. Allerdings hat man an Beck gesehen, wie schwierig es ist, aus den Ländern die Bundespolitik mitzugestalten. Dazu ist Präsenz in Berlin einfach wichtig. Dass Steinmeier Kanzlerkandidat wird, halte ich für eine absolut richtige Entscheidung. Er und Müntefering werden sich gegenseitig ergänzen. Von Müntefering erwarte ich, dass er wieder als der große Kommunikator, Integrator und Teamspieler auftritt.

Ralf Fuhrmann, Vorsitzender SPD-Kreisverband Pforzheim: Dass Frank-Walter Steinmeier Kanzlerkandidat wird, war absehbar. Dass die Entscheidung so schnell gefallen ist, hat uns, die Basis, aber doch überrascht. Der Rücktritt von Kurt Beck kommt völlig unerwartet. Doch ich respektiere natürlich seine Entscheidung. Wobei ich daran erinnern möchte, dass er sich nie in den Vorsitz gedrängt hatte, sondern sich vor zwei Jahren nach dem Platzeck-Rücktritt in die Pflicht nehmen ließ.

Jochen Protzer, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, Illingen: Die Nachricht von Kurt Becks Rücktritt hat mich überrascht. Auch wenn Beck nun nicht Kanzlerkandidat ist, wäre dieser Rücktritt nicht notwendig gewesen. Frank-Walter Steinmeier traue ich zu, dass er Angela Merkel Paroli bieten kann. Franz Müntefering ist eine der profiliertesten Persönlichkeiten, er hat das Zeug für den Fels in der Brandung. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass er in den nächsten 20 Jahren die Weichen stellt.

Rainer Prewo, SPD-Landtagsabgeordneter, Nagold: Kurt Becks Rücktritt liegt in der Entwicklung der Dinge, denke ich. Seine Position ist in den vergangenen Wochen immer schwieriger geworden, die nötige politische Trendwende konnte er nicht einleiten und in einem Jahr sind Bundestagswahlen. Aber natürlich haben auch die Medien zu seinem Entschluss beigetragen. Franz Müntefering ist ein äußerst beliebter und fähiger Politiker. Er kann die nötige Autorität in die SPD-Führung zurückbringen.

Herbert Bischoff, SPD-Kreis- und Gemeinderat, Keltern: Dass Kurt Beck zurückgetreten ist, hat mich überrascht. Ich habe gedacht, das Gespann Beck/Steinmeier kann weitermachen. Ich halte Kurt Beck als Politiker für deutlich unterschätzt. Er hat eine große Integrationsfähigkeit, ist ein volksnaher und zupackender Typ. Dass Franz Müntefering ein großer SPD-Vorsitzender werden kann, glaube ich eher nicht. Im Vergleich zu den ganz großen Namen ist er doch eher eine Nummer kleiner.  er/ef-te/ms