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31.05.2010

Von Schock bis Schuldzuweisung: Reaktion auf Köhler-Rücktritt aus der Region

Der durch seine Wohltätigkeitsveranstaltungen im Pforzheimer CongressCentrum bekannte Büchenbronner Unternehmer Herbert Richter äußerte sich am Montag bestürzt über den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler. Richter kannte den Bundespräsidenten persönlich, unter anderem überreichte er Köhler im Jahr 2008 rund 5000 Wand- und Standuhren als Spende der Goldstadt. Sie kam jungen, ehrenamtlichen Helfern zugute, die Kriegsgräber pflegen. „Dieser Bundespräsident hat Herz, Seele, Gefühl und politischen Überblick in seiner Person vereint. Er war für mich der beste Bundespräsident, den ich mir überhaupt vorstellen kann“, so Richter.

Die Pforzheimerin Hannelore Schimpf, Vorsitzende des Fördervereins für das Kulturhaus Osterfeld, gehörte im Mai des vergangenen Jahres der Bundesversammlung an. „Nicht als SPD-Mitglied, sondern als Bürgerin“, wie sie betont. Dennoch habe sie für die SPD-Kandidatin Gesine Schwan gestimmt, berichtet Schimpf. Sie empfand Horst Köhler schon damals als farblos und sprachlich unbeholfen.

CDU-Bundestagsabgeordneter Gunther Krichbaum bedauerte den Rücktritt von Köhler „zutiefst“. Mit Blick auf die Kritik an Köhlers Äußerungen zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr erklärte Krichbaum: „Die Opposition muss sich schon fragen lassen, ob das alles so richtig war, was in der vergangenen Woche abgelaufen ist.“ Und wer folgt nach? Krichbaum hat einen Favoriten: „Wolfgang Schäuble – wenn er denn will.“

Die Pforzheimer SPD-Bundestagsabgeordnete Katja Mast drückte ihr Bedauern über den Rücktritt aus: „Das kam für mich total überraschend“, so Mast. Sie wolle jetzt allerdings nicht über die Gründe spekulieren, um das Ansehen, das diesem hohen politischen Amt gebühre, nicht zu beschädigen.

„Ich war geschockt über diese Nachricht, weil ich der Meinung bin, dass Horst Köhler ein guter Bundespräsident war“, so der Pforzheimer FDP-Bundestagsabgeordnete Erik Schweickert. Er könne den Entschluss „aufgrund der permanenten Kritik aus der Opposition ohne Maß und Ziel“ jedoch nachvollziehen. Die Vorwürfe an Köhler seien „ein Ding der Unmöglichkeit“ gewesen.

„Ich bedauere seinen Rücktritt, weil er unter dem Strich ein guter Bundespräsident war“, sagt der Pforzheimer Grünen-Bundestagsabgeordnete Memet Kilic. „Seine Äußerungen über Wirtschaftskriege waren sehr unglücklich. Ich gehe davon aus, dass er diesen Schritt nicht getan hätte, wenn er mehr Rückhalt in der Politik und der Öffentlichkeit gehabt hätte.“ Die Koalition habe offenbar keinen anderen Kandidaten für dieses Amt, so Kilic. „Daher schlage ich Lena für dieses Amt vor, sie beschert uns wenigstens gute Laune.“

Hans-Ulrich Rülke, FDP-Fraktionschef im Landtag, bezeichnete den Rücktritt des Bundespräsidenten als „sehr bedauerlich“. Rülke, der bei der Wiederwahl Köhlers im Mai 2009 Mitglied der Bundesversammlung war, machte gegenüber der „Pforzheimer Zeitung“ die Opposition für den Rückritt des Staatsoberhauptes verantwortlich. Die Opposition habe „mit ihrem Versuch, die politische Landschaft zu vergiften, auch vor dem Bundespräsidenten nicht Halt“ gemacht.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) hat den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler bedauert. „Die Angriffe und Attacken waren kein Grund zurückzutreten“, sagte Mappus gestern. „Ich finde es noch immer unfassbar.“ Köhler, der in Ludwigsburg zu Schule gegangen war, sei eng mit Baden-Württemberg verbunden und werde von den Menschen geschätzt: „Köhler war ein Bürgerpräsident.“ Mappus mahnte allerdings: „Es ist nicht von Vorteil, wenn in der größten Wirtschafts- und Finanzkrise plötzlich die größte Volkswirtschaft in Europa ohne Staatsoberhaupt